Ich wollte das eigentlich gar nicht mehr einstellen, aber ja, nachdem ich erst kürzlich bemerkt habe, dass man meinen letzten Beitrag hier anscheinend gelöscht hat, aus Gründen, die mir eher fragwürdig erscheinen, aber gleichzeitig auch nicht so wichtig sind, dass ich deswegen herumstreiten müsste, kommt eben doch noch einmal etwas … - Aber nach diesem Beitrag ist Schluss, was mich betrifft. Die ständigen Wiederholungen gefallen ohnehin nicht.
ad_hoc hat geschrieben:Weder die Versuchung zur Sünde noch die Sünde selbst waren existent bzw. von Gott geschaffen.
Dass die Versuchung nicht gegeben war, das setzen Sie hier einfach um im nächsten Moment schon von einer Prüfung zu sprechen – wo kam die her, was hat die bedingt? Bei Ihnen ist die Prüfung etwas anderes als die Versuchung, die Versuchung und die Sünde koinzidieren teilweise oder auch vollständig (je nach Bedarf, völlig unreflektiert*) und alles zusammen, wird so gedreht, wie es gerade passt. Wo es keine "Versuchung zur Sünde" gibt, kann es auch gar nie zur Sünde kommen. Die Versuchung ist nicht die Sünde, sondern liegt ihr voraus, wie man gerade auch in der Genesis nachlesen kann.
Gott ist der Herr über die Möglichkeiten, jede Entscheidung spielt sich nur innerhalb von gewissen Optionen ab, die niemand freiwillig gewählt hat, da sie aller freien Willensentscheidung vorausliegen. Die Optionen bestimmt niemand selbst und kein Mensch oder sonstiges Geschöpf ist für die seinigen verantwortlich. Man kann sich das Leben eines Menschen als einen äußerst verzweigten Baum – oder treffender wohl Strauch –, dessen Äste lauter Möglichkeiten sind, vorstellen. Die freien Entscheidungen des Menschen aktualisieren diesen oder jenen Ast, aber alle Optionen als solche, waren schon immer vorgegeben und auch welcher Ast verwirklicht werden würde, ist von Gott vorhergesehen (Satz:
Gott erkennt alles bloß Mögliche und
Gott sieht in der "scientia visionis" auch die zukünftigen freien Handlungen aller vernünftigen Geschöpfe voraus, beide "de fide").
ad_hoc hat geschrieben:… dass weder die Engel, noch die Menschen während ihrer Schöpfung und unmittelbar darauf im Himmel waren; vielleicht waren die Engel, wie die Menschen, in einem Garten Eden, wo sie Gott hören, aber nicht schauen konnten.
Äh, ja, sehr "interessant" …
ad_hoc hat geschrieben:… was wäre wenn“ hineinversetzen und somit in gewisser Hinsicht eigenständig schöpferisch tätig sein. Das heißt, sie konnten Gutes (Gottgewolltes) und auch Ungutes (Gott Entgegengesetztes) denken, sich vorstellen, entwickeln und in die Tat umsetzen.
Wie es so schön heißt "Vorstellen kann man sich alles, aber denken kann man es nicht". Man kann sich vollständigen Unsinn vorstellen, aber einen sinnvollen Gedanken gibt dieser Unsinn nicht her, geschweige denn, dass man diesen aktualisieren kann. Dieser Unsinn ist nicht einmal eine Möglichkeit. Wenn Gott die gegebenen Möglichkeiten anders angeordnet hätte, hätten sie gar nie die Möglichkeit gehabt, Ungutes zu tun, dabei hätte Er allerdings nicht im Geringsten in ihre Entscheidungsfreiheit eingegriffen, sondern in etwas, was dieser vorausliegt und sie überhaupt erst so, wie sie ist, konstituiert. Gott hätte es (bzw. alles) auch so anordnen können, dass es für uns unmöglich wäre, irgendetwas Schlechtes zu tun, also wir von Haus aus überhaupt nur zwischen Gutem oder schlimmstenfalls Indifferentem die Wahl hätten, weil alles andere gar nicht erst gegeben wäre.
ad_hoc hat geschrieben: … die, ohne die bewusste und gewollte Einwirkung Gottes (da er sonst in die den Engeln und den Menschen geschenkte eigenständige Entscheidungsmöglichkeit eingegriffen hätte) …
Eine bewusste und gewollte Einwirkung Gottes, gab es schon auf Wahloptionen, bei denen etwas rauskommen konnte, was dann nicht Seinem Willen entsprach - das hätte an und für sich - d. h. ohne, dass Er es gewollt hätte - gar nicht sein müssen. Das moralische Übel hat Er nicht aktualisiert, kann Er auch nicht, aber was dazu führen kann (die versuchende Situation, die sich auswirkt resp. die Versuchung) sehr wohl und beides ist nicht identisch.
ad_hoc hat geschrieben:Das heißt aber auch, dass Gott die Ursache von allem Guten ist, weil er selbst Gut ist und nur Gutes schafft.
Natürlich ist Er nur gut und kann nur Gutes schaffen, weil man generell nur Gutes schaffen kann. Er ist reines, verwirklichtes Sein und schaffen kann man auch nur etwas und nicht nichts.** Die Sache ist nur, dass Er überhaupt prüft und man bei dieser Prüfung durchfallen kann (alles andere wäre auch eine recht eigenartige Prüfung). Für diese Prüfung, also, dass es sie überhaupt gibt, ist Er alleine verantwortlich. Die Prüflinge haben sich die Prüfung nicht ausgedacht und das negative Ergebnis der Prüfung ist nicht mit dieser identisch. Die ganze Problematik hört sich generell auf, wenn man das, was wir hier "Versuchung" nennen, nicht in eins mit der Sünde setzt, für die sich derjenige, der sich in einer versuchenden Situation wieder findet, entweder entscheidet oder auch nicht.
ad_hoc hat geschrieben:…wobei die Versuchung der ersten Menschen durch die Schlange die Möglichkeit, sich gegen den Willen Gottes zu entscheiden, nicht begründet …
Ach nicht? Wohl eher: Nicht nur, nicht in hinreichendem Maße, für sich alleine genommen.
ad_hoc hat geschrieben: Die Versuchung konnte erst in dem Moment entstehen (keinesfalls zuvor), in dem als erste Idee eines Gedankens oder einer Vorstellung und vielleicht noch unbewusst aber schon konkreter werdend dieser Gedanke oder diese Vorstellung ‚gegen Gott‘ und ‚von Gott weg‘ sich entwickelte.
Ja, ja, "unbewusster" und "konkreter werdend", "Idee" und "Vorstellung", ja, ja … - Geht nur alles an der Sache vorbei. Dass dieser Gedanke aufkommt etc., das sucht man sich nicht freiwillig aus, schon alleine das "unbewusst" zeigt das an, bei "Unbewussten" spricht kein Mensch von einem freien Willensentscheid. Das ist göttlicherseits vorgegeben.
Ansonsten fällt hier schon wieder der plötzliche, völlig identische, synonyme Gebrauch von "Sünde" und "Versuchung" auf …
ad_hoc hat geschrieben: Als diese feststellten, dass sie ihre eigenen Entscheidungen treffen konnten, entwickelten sie ihre eigenen Vorstellungen dessen, was sie selbst wollten, gleichgültig, ob dies im Willen Gottes lag oder nicht.
St. Franz von Sales hat geschrieben:Trotzdem besteht ein Unterschied zwischen der Seele und dieser Prinzessin: Sie kann den Boten fortjagen und nicht anhören, es steht aber nicht in der Macht der Seele, die Versuchung nicht zu fühlen …
Wer gibt die Erkenntnisobjekte vor? Wer gibt die Geisteskräfte, die zur Erfassung des selbigen Objekts notwendig sind? Wer bedingt die Mechanismen, die dieses, mit jenem Erkenntnisbild verbinden etc. pp.? Dass dieses und nicht jenes überhaupt denkbar ist, gibt Gott. Die Basis, auf der etwas Schlechtes geschieht (ohne, dass es genau diese Basis, göttlicherseits notwendig geben müsste), die aber nicht selbst das Schlechte ist, ist Gottes Werk.
ad_hoc hat geschrieben:Unangebrachte Beweiskette, falsche Aussage.
Gott hat nie gewollt, dass die Menschen von einem bösen Engel in Versuchung geführt werden, auch wenn er diese gegenüber den unvollkommen gewordenen Menschen zuläßt (Gott will den Tod des Sünders nicht) …
Nun ist der Einwand tatsächlich unbrauchbar, unbegründet und ja, was soll man sagen … - Hätte Gott nicht gewollt, dass die Menschen von einem bösen Engel versucht würden, dann hätte Er das von Anfang an, ganz leicht verhindern können, ohne die Willensentscheidung des Engels selbst zu determinieren.
Clementine hat geschrieben: Gemäß dem Kompendium der christlichen Lehre (vom Pius X.) Nr. 312: "Worum bitten wir in der sechsten Bitte "Und führe uns nicht in Versuchung"? In der Bitte... bitten wir Gott, dass er uns von allen Versuchungen befreie, indem er entweder nicht zuläßt, dass wir versucht werden, oder uns die Gnade gibt, nicht besiegt zu werden."
Irgendwie sagt diese Stelle im Kompendium so rein gar nichts Widersprüchliches zu Sempres Ansicht aus, da hier weder etwas über den direkten, noch den indirekten Urheber ausgesagt wird. Abgesehen davon: Man kann den Prüfer selbst auch bitten, einen nicht zu prüfen oder bei der Prüfung zu helfen etc.
Clementine hat geschrieben:Versuchungen werden unter Nr. 313 definiert als "ein Anreiz zur Sünde, der vom bösen Feind, von bösen Menschen oder von unseren Leidenschaften kommt." Von Gott als Versucher ist da keine Rede - komisch, was? Sondern nur davon, dass Gott zuläßt, dass wir versucht werden.
Auch im Basler Katechismus wird die Versuchung nur der bösen Lust, der bösen Welt und dem bösen Feind zugeordnet.
Komisch also, dass der Katechismus die Versuchung nicht Gott zuordnet.
Wieso sollte er das auch noch extra tun? Es reicht schon, dass dieser Anreiz, so wie er war/ist, existiert/e, was ohne Gottes (An-)Ordnung gar nie der Fall gewesen wäre. Der Feind, die Menschen, die Leidenschaften - sie sind allesamt ein "Etwas" und dass sie überhaupt als Versucher auftreten (können), liegt schon im Willen Gottes.
---
* Anm.: Es gibt schon den Fall, der Sünde, bzgl. Versuchungen, nämlich dort, wo man zuvor versucht wurde, bewusst andere zu versuchen und sich für diese Option entschieden hat. Das ist aber bei weitem nicht immer der Fall und kann generell nur durch Personen mit einem freien Willen erfolgen. Wir sprechen aber von einer Versuchung, wenn einem - sagen wir - verheirateten Mann, die Schönheit und der Charme einer Frau, zu unkeuschen Gedanken oder gar Handlungen verleiten kann (und ihm das auch bewusst ist, was gerade nicht heißt, dass er sich das ausgesucht hätte, sondern im Gegenteil, hat er das als eine Gegebenheit vorgefunden, die eine Reaktion erfordert), jedoch ohne, dass das in der Absicht dieser Frau liegt, die evtl. nicht einmal weiß, dass er verheiratet ist, ganz zu schweigen davon, wie sie auf ihn wirkt etc. Noch klarer wird das, wenn das Objekt der Versuchung in irgendeinem Tier, Gegenstand o. ä. und dem Gebrauch desselben besteht. Also, eine Sünde (und schon keine Versuchung mehr), ist es, an einer Situation bewusst und freiwillig mitzuwirken, die für einen anderen eine Versuchung darstellt. Diejenigen, die diese Sünde begehen (d. h. an den Prüfungen anderer Geschöpfe bewusst und freiwillig mitzuwirken), nennt man Versucher, alle anderen nicht.
** Anm.: Allgemein zur Ausdrucksweise: [quote="Hl. Thomas von Aquin in "De ente et essentia" cap. I"]Sciendum est igitur quod, sicut in V metaphysicae philosophus dicit, ens per se dicitur dupliciter, uno modo quod dividitur per decem genera, alio modo quod significat propositionum veritatem. Horum autem differentia est quia secundo modo potest dici ens omne illud, de quo affirmativa propositio formari potest, etiam si illud in re nihil ponat. Per quem modum privationes et negationes entia dicuntur; dicimus enim quod affirmatio est opposita negationi et quod caecitas est in oculo. Sed primo modo non potest dici ens nisi quod aliquid in re ponit. Unde primo modo caecitas et huiusmodi non sunt entia. [/quote]
[Man muss daher wissen, dass das Seiende an sich, wie der Philosoph im Buch V der Metaphysik sagt, auf zweifache Weise genannt wird: Auf eine Weise dadurch, dass es sich auf zehn Gattungen verteilt, auf andere Weise dadurch, dass es die Wahrheit der Aussagen bedeutet. Der Unterschied dieser <beiden Weisen> dass Seiendes auf die zweite Weise all das genannt werden kann, worüber sich eine bejahende Aussage bilden lässt, auch wenn dies nichts real setzt. Auf diese Weise werden die Privationen und Verneinungen Seiendes genannt; denn wir sagen aus, dass die Bejahung der Verneinung entgegengesetzt ist, und dass die Blindheit im Auge ist. Aber auf die erste Weise jedoch kann Seiendes nur so genannt werden, dass dies etwas real setzt. Daher sind in der ersten Weise Blindheit und derartiges kein Seiendes.]