Gott finden in allen Dingen

Schriftexegese. Theologische & philosophische Disputationen. Die etwas spezielleren Fragen.
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Sempre
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Sempre »

Pilgerer hat geschrieben:Den Eindruck habe ich auch. Die Wissenschaft wird zum Versuch, den unbekannten Dingen eine verbale Hülle umzuhängen, um damit Wort- und Wissensspiele anzustellen.
Die moderne Wissenschaft, die Wissenschaft der modernen Zivilisation, wird von der Kirche auch nicht als echte Wissenschaft anerkannt. Sie ist bestenfalls in eingeschränktem Sinne brauchbar. Dies geht aus der Zusammenschau der beiden Dokumente Syllabus errorum (Pius IX.) und Lamentabili sane exitu (Pius X., "kleiner Syllabus") hervor, worauf der italienische Philosoph, Theologe und Konzilsperitus Romano Amerio in dem Buch Iota unum hinweist:
Romano Amerio hat geschrieben:In any event, we have two condemned propositions: Catholicism is compatible with modern civilization (Pius IX) and Catholicism is incompatible with true science (Pius X). From a comparison of the two condemnations, it becomes clear that modern civilization and true science do not correspond. While the Church distinguishes between modern civilization and true science, she does not cease condemning the spirit of the age. There can be knowledge which is true in a civilization which is false, but it is then garbed in a false spirit of which it must be stripped, by a kind of reclaiming action, so that it can be reclothed in the truth which is found in the Catholic system ...
In jedem Fall haben wir zwei verurteilte Sätze: Katholizismus ist vereinbar mit der modernen Zivilisation (Pius IX.) und Katholizismus ist unvereinbar mit echter Wissenschaft (Pius X.) Aus einem Vergleich der beiden Verurteilungen wird klar, dass die moderne Zivilisation und echte Wissenschaft nicht korrespondieren. Während die Kirche zwischen der modernen Zivilisation und echter Wissenschaft unterscheidet, hört sie nicht auf, den Zeitgeist zu verurteilen. Es kann Erkenntnis, die wahr ist, in einer Zivilisation geben, die falsch ist, aber sie ist dann in einen falschen Geist gewandet, von dem sie durch eine Art Rückgewinnungsverfahren isoliert werden muss, so dass sie wieder in die Wahrheit gekleidet werden kann, die im katholischen System zu finden ist ...
Pilgerer hat geschrieben:Die Sozialwissenschaften sind zum Beispiel die Wissenschaften der menschlichen Gesellschaft, aber können sie die Gesellschaft verstehen, ohne den Menschen selbst ganz zu kennen? Bleibt der Mensch nicht ein weißer Fleck? Sie können nicht klären, ob die Existenz des Menschen sinnlos oder sinnvoll ist. Ohne Sinn ist der Mensch irgendwie auch wertlos, und die moderne Gesellschaft krankt daran, dass die Menschen sich tatsächlich als wertlos empfinden, wenn sie bestimmte Lebensdaten (z.B. Arbeit, Familie) nicht verwirklicht haben. Der Mensch der modernen Humanwissenschaften ist ein leerer Datenträger, dessen Daten ständig erforscht werden, ohne nach dem Inneren zu fragen.
Dennoch halte ich - wenngleich es heute sehr provokant wäre - eine Art von christlicher Wissenschaft für möglich, die bestimmte Vorannahmen auf der Basis des klassischen christlichen Weltbildes nimmt und damit wissenschaftliche Gesetzesmäßigkeiten entwickelt. Das wäre vermutlich ein Bruch mit dem Kant'schen System, weil es eine Wissenschaft der Dinge an sich wäre.
Ja, eine solche Wissenschaft wäre extrem provokant. Ebenso ihre philosophische Grundlage. Man müsste sie nicht nur besser nicht christlich sondern katholisch nennen sondern auch vorkonziliar dazusagen. Sie wäre sicher nützlich, um Protestantismus und Modernismus auszutrocknen, dem Kulturmarxismus die Stiefel auszuziehen und auch den Maurern und Sozialingenieuren auf der Baustelle der neuen Weltordnung und der Weltreligion den Wasserhahn abzudrehen.
Multi venient in nomine meo, id est in nomine corporis mei. (Tichonius Africanus)
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Raphael

Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Natürlich muss man die Bibel und Kant natürlich erst einmal lesen, bevor man über sic et non debattiert.
Da Kant schon seit Längerem auf dem Index steht, wird Kant von Katholiken auch nicht gelesen. Punktum, Schluß und aus! :pfeif:

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Sempre
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Sempre »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Natürlich muss man die Bibel und Kant natürlich erst einmal lesen, bevor man über sic et non debattiert.
Da Kant schon seit Längerem auf dem Index steht, wird Kant von Katholiken auch nicht gelesen. Punktum, Schluß und aus! :pfeif:
Das hätte irgendein linker, kirchenhassender Punk kaum schöner formulieren können.
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Raphael

Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Raphael »

Sempre hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Natürlich muss man die Bibel und Kant natürlich erst einmal lesen, bevor man über sic et non debattiert.
Da Kant schon seit Längerem auf dem Index steht, wird Kant von Katholiken auch nicht gelesen. Punktum, Schluß und aus! :pfeif:
Das hätte irgendein linker, kirchenhassender Punk kaum schöner formulieren können.
Haßattacken gegen die Kirche Gottes kommen - insbesondere in letzter Zeit - eher aus Deiner Tastatur. Überzeugen von diesem Umstand kann sich hier im Forum jeder, der lesen und verstehen kann .......

Schwimmen Dir die Felle weg, weil sich die Kurie und die FSSPX möglicherweise einigen?

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Sempre
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Sempre »

Raphael hat geschrieben:
Sempre hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Natürlich muss man die Bibel und Kant natürlich erst einmal lesen, bevor man über sic et non debattiert.
Da Kant schon seit Längerem auf dem Index steht, wird Kant von Katholiken auch nicht gelesen. Punktum, Schluß und aus! :pfeif:
Das hätte irgendein linker, kirchenhassender Punk kaum schöner formulieren können.
Haßattacken gegen die Kirche Gottes kommen - insbesondere in letzter Zeit - eher aus Deiner Tastatur. Überzeugen von diesem Umstand kann sich hier im Forum jeder, der lesen und verstehen kann .......
Hier machst Du Dich über Katholiken und die Kirche lustig, wie ich gerne noch ein weiteres mal mitzitiere. Anstatt in Dich zu gehen, lenkst Du ab.

Irgendeine Aversion meinerseits gegen die Kirche wirst Du nicht zitieren können. Gegen Feinde der Kirche in der Kirche, die gegen die Kirche polemisieren oder sonst ihr schaden schon.
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overkott
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Natürlich muss man die Bibel und Kant natürlich erst einmal lesen, bevor man über sic et non debattiert.
Da Kant schon seit Längerem auf dem Index steht, wird Kant von Katholiken auch nicht gelesen. Punktum, Schluß und aus! :pfeif:
Die Sonntagsmorgensendung über den Index fand ich insgesamt positiv. Sie hat die Öffnung der Kirche durch Johannes XIII. gezeigt. Aber sie hat auch gezeigt, dass manchen Theologen noch die richtige Distanz zu ihrem Forschungsgegenstand fehlt. Immerhin war Lojewski so maßvoll, dass er eingeräumt hat, selbst Nachrichten ausgewählt und dabei auch mal Informationen unterdrückt zu haben. Daher ist verständlich, dass auch der Index durchaus aus seelsorgerischer Verantwortung für den Frieden in der Gesellschaft seiner Zeit verstanden werden kann. Aber rechtfertigt das, das Tötungsverbot zu übertreten und Menschen wie den Herrn selbst ans Kreuz auf den Scheiterhaufen zu schicken? Wohl kaum.

Ich bin nach der Sendung in die Messe gegangen und war von der Predigt des Pastors sehr angetan, der auf die befreiende und erlösende Botschaft Jesus Christus hingewiesen und gesagt hat, dass unsere Erzieher und Vorbilder das vielleicht auch nicht immer richtig verstanden haben. Daher appellierte er an die Gläubigen, selbst über das Evangelium nachzudenken und den Glauben immer mehr zu entdecken.
Zuletzt geändert von overkott am Montag 19. September 2011, 07:58, insgesamt 2-mal geändert.

Raphael

Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Raphael »

Sempre hat geschrieben:Irgendeine Aversion meinerseits gegen die Kirche wirst Du nicht zitieren können.
Mithin ziehst Du Dich auf eine nominalistische Position zurück! :dudu:
Auch gut, denn dann weiß man wenigstens, woran man ist .............

Raphael

Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Natürlich muss man die Bibel und Kant natürlich erst einmal lesen, bevor man über sic et non debattiert.
Da Kant schon seit Längerem auf dem Index steht, wird Kant von Katholiken auch nicht gelesen. Punktum, Schluß und aus! :pfeif:
Die Sonntagsmorgensendung über den Index fand ich insgesamt positiv. Sie hat die Öffnung der Kirche durch Johannes XIII. gezeigt. Aber sie hat auch gezeigt, dass manchen Theologen noch die richtige Distanz zu ihrem Forschungsgegenstand fehlt. Immerhin war Lojewski so maßvoll, dass er eingeräumt hat, selbst Nachrichten ausgewählt und dabei auch mal Informationen unterdrückt zu haben. Daher ist verständlich, dass auch der Index durchaus aus seelsorgerischer Verantwortung für den Frieden in der Gesellschaft seiner Zeit verstanden werden kann. Aber rechtfertigt das, das Tötungsverbot zu übertreten und Menschen wie den Herrn selbst ans Kreuz auf den Scheiterhaufen zu schicken? Wohl kaum.

Ich bin nach der Sendung in die Messe gegangen und war von der Predigt des Pastors sehr angetan, der auf die befreiende und erlösende Botschaft Jesus Christus hingewiesen und gesagt hat, dass unsere Erzieher und Vorbilder das vielleicht auch nicht immer richtig verstanden haben. Daher appellierte er an die Gläubigen, selbst über das Evangelium nachzudenken und den Glauben immer mehr zu entdecken.
Interessant fand ich die Passage, wo es um die Verurteilung von Harriet Beecher-Stowe's Roman "Onkel Toms Hütte" ging.

Der erste Inquisitor suchte die Schlange im Gras und fand auch eine, während der zweite durchaus das berechtigte Anliegen der protestantischen Literatin verstanden hatte; mithin Freispruch. :daumen-rauf:

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overkott
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Der Index hat zwei Seiten: Einerseits war er in mancher Hinsicht überraschend offen, andererseits aber eben auch nicht offen genug.

Gott sei Dank wurde er abgeschafft, aber leider auch nicht konsequent genug. Die Denkverbote nach dem Konzil lassen einen doch neu nach Charisma und Dienst am Nächsten durch die Kirche und jeden Theologen fragen.

Raphael

Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Der Index hat zwei Seiten: Einerseits war er in mancher Hinsicht überraschend offen, andererseits aber eben auch nicht offen genug.
Nun, der Index war gut gemeint und sollte die Schar der Gläubigen vor überflüssigem Gedankenmüll schützen.
Und um dies auch ganz klar zu sagen: In diesem Fall war gut gemeint nicht das Gegenteil von gut!
overkott hat geschrieben:Gott sei Dank wurde er abgeschafft, aber leider auch nicht konsequent genug. Die Denkverbote nach dem Konzil lassen einen doch neu nach Charisma und Dienst am Nächsten durch die Kirche und jeden Theologen fragen.
Denkverbote, wo? :achselzuck:
Die gibt doch nur in der Politik, auch wenn der Rösler da war Anderes sagt.

Und was die Zeit nach dem Konzil anbetrifft:
Es wird immer offenbarer, daß da vieles vom Geist des Konziles verweht worden ist, was der Hl. Geist lieber an Ort und Stelle belassen hätte und nun langsam aber sicher von IHM wieder an die richtige Position gerückt wird.

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overkott
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Raphael hat geschrieben:Nun, der Index war gut gemeint und sollte die Schar der Gläubigen vor überflüssigem Gedankenmüll schützen.
Und um dies auch ganz klar zu sagen: In diesem Fall war gut gemeint nicht das Gegenteil von gut!
overkott hat geschrieben:Gott sei Dank wurde er abgeschafft, aber leider auch nicht konsequent genug. Die Denkverbote nach dem Konzil lassen einen doch neu nach Charisma und Dienst am Nächsten durch die Kirche und jeden Theologen fragen.
Denkverbote, wo? :achselzuck:
Die gibt doch nur in der Politik, auch wenn der Rösler da war Anderes sagt.

Und was die Zeit nach dem Konzil anbetrifft:
Es wird immer offenbarer, daß da vieles vom Geist des Konziles verweht worden ist, was der Hl. Geist lieber an Ort und Stelle belassen hätte und nun langsam aber sicher von IHM wieder an die richtige Position gerückt wird.
Der Index und die Bestsellerliste gehen Hand in Hand. Warum nur hat die Kirche Küng und Drewermann so gepuscht? Man hätte ihnen den Mund nicht verbieten sollen.

Ich glaube, dass man den Geist Christi und den Geist des Konzils nicht gegeneinander ausspielen darf.

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Sascha B.
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Sascha B. »

overkott hat geschrieben:
Ich glaube, dass man den Geist Christi und den Geist des Konzils nicht gegeneinander ausspielen darf.
Du gehst also davon aus dass der Geist Christi und der Geist des Konzils verschieden sind? :breitgrins:
Zuletzt geändert von Sascha B. am Montag 19. September 2011, 21:41, insgesamt 1-mal geändert.

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ChrisCross
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von ChrisCross »

overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Nun, der Index war gut gemeint und sollte die Schar der Gläubigen vor überflüssigem Gedankenmüll schützen.
Und um dies auch ganz klar zu sagen: In diesem Fall war gut gemeint nicht das Gegenteil von gut!
overkott hat geschrieben:Gott sei Dank wurde er abgeschafft, aber leider auch nicht konsequent genug. Die Denkverbote nach dem Konzil lassen einen doch neu nach Charisma und Dienst am Nächsten durch die Kirche und jeden Theologen fragen.
Denkverbote, wo? :achselzuck:
Die gibt doch nur in der Politik, auch wenn der Rösler da war Anderes sagt.

Und was die Zeit nach dem Konzil anbetrifft:
Es wird immer offenbarer, daß da vieles vom Geist des Konziles verweht worden ist, was der Hl. Geist lieber an Ort und Stelle belassen hätte und nun langsam aber sicher von IHM wieder an die richtige Position gerückt wird.
Der Index und die Bestsellerliste gehen Hand in Hand. Warum nur hat die Kirche Küng und Drewermann so gepuscht? Man hätte ihnen den Mund nicht verbieten sollen.

Ich glaube, dass man den Geist Christi und den Geist des Konzils nicht gegeneinander ausspielen darf.
Wenn der Geist Christi und der (Zeit-)Geist des Konzils an einem Strang ziehen, hat der Heilige Geist offenbar beinahe 2000 jahre nichts getan.
Tu excitas, ut laudare te delectet, quia fecisti nos ad te et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te.
Augustinus Conf. I. 1

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overkott
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

ChrisCross hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Nun, der Index war gut gemeint und sollte die Schar der Gläubigen vor überflüssigem Gedankenmüll schützen.
Und um dies auch ganz klar zu sagen: In diesem Fall war gut gemeint nicht das Gegenteil von gut!
overkott hat geschrieben:Gott sei Dank wurde er abgeschafft, aber leider auch nicht konsequent genug. Die Denkverbote nach dem Konzil lassen einen doch neu nach Charisma und Dienst am Nächsten durch die Kirche und jeden Theologen fragen.
Denkverbote, wo? :achselzuck:
Die gibt doch nur in der Politik, auch wenn der Rösler da war Anderes sagt.

Und was die Zeit nach dem Konzil anbetrifft:
Es wird immer offenbarer, daß da vieles vom Geist des Konziles verweht worden ist, was der Hl. Geist lieber an Ort und Stelle belassen hätte und nun langsam aber sicher von IHM wieder an die richtige Position gerückt wird.
Der Index und die Bestsellerliste gehen Hand in Hand. Warum nur hat die Kirche Küng und Drewermann so gepuscht? Man hätte ihnen den Mund nicht verbieten sollen.

Ich glaube, dass man den Geist Christi und den Geist des Konzils nicht gegeneinander ausspielen darf.
Wenn der Geist Christi und der (Zeit-)Geist des Konzils an einem Strang ziehen, hat der Heilige Geist offenbar beinahe 2000 jahre nichts getan.
Überleg noch mal, was du gesagt hast.

Raphael

Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Raphael »

overkott hat geschrieben:Überleg noch mal, was du gesagt hast.
Nu streng mal Deine hermeneutischen Fähigkeiten etwas an und lande nicht ständig in selbigem Zirkel, ovi. :kussmund:

Er hat nur gemeint, daß der Geist des Konzils und der Hl. Geist für Gegenläufiges stehen. Das ist nun wirklich nicht schwierig zu exegieren ..........

Denn der Geist des Konzils war eine Neuerfindung nach dem Konzil, mithilfe dessen urkatholische Bastionen sturmreif geschossen werden sollten. Dies war und ist nicht im Sinne des Parakleten und es ist Zeit, sich unter seiner Führung auf die Wesentlichkeiten des katholischen zu besinnen.

Pilgerer
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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Pilgerer »

overkott hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Die Geisteswissenschaften befassen sich im weiteren Sinn mit dem Menschen und seiner Kultur. Dazu kann zum Beispiel die Religionswissenschaft gezählt werden, die z.B. vergleichen kann, wie die Religionen die Natur deuten und wie sich dies historisch entwickelt hat. Philosophie und Naturphilosophie sind meiner Ansicht nach nicht Teil der Geisteswissenschaften, sondern sind die "Väter" von allen Wissenschaften. Die Wissenschaften sind ein Teil der Philosophie, die selbst auch für andere Methoden als den wissenschaftlichen offen ist.
Theologie, die den Glauben katechetisch lehrt, ist grundsätzlich philosophischer Art.
Theologie ist Ausgangspunkt aller Theorie. Sie ist Naturphilosophie und Philosophie. Sie wird durch Philosophie als Grundlage aller Geisteswissenschaft erweitert. Sie wird durch empirische Naturwissenschaft gestützt oder falsifiziert.
Wo und wie wird die Theologie durch empirische Naturwissenschaft gestützt oder falsifiziert?
Zum Beispiel durch Methoden beim Bestimmen des Alters von Dokumenten.
Die empirische Naturwissenschaft kann hier jedoch nur die vorhandenen Dokumente überprüfen. Sie kann nicht feststellen, ob es im Jahr 4 n. Chr. eine Evangeliumsschriftrolle (z.B. von Markus) gab, die später verloren gegangen ist. Wenn Menschen jedoch beim Lesen eines Evangeliums diese eigenartige Anziehungskraft spüren, die den biblischen Texten innewohnt, dann können sie subjektiv und metaphysisch zu einem Wissen darüber kommen, ob dieses Evangelium von Gott oder von Menschen ist.
Sempre hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:Den Eindruck habe ich auch. Die Wissenschaft wird zum Versuch, den unbekannten Dingen eine verbale Hülle umzuhängen, um damit Wort- und Wissensspiele anzustellen.
Die moderne Wissenschaft, die Wissenschaft der modernen Zivilisation, wird von der Kirche auch nicht als echte Wissenschaft anerkannt. Sie ist bestenfalls in eingeschränktem Sinne brauchbar. Dies geht aus der Zusammenschau der beiden Dokumente Syllabus errorum (Pius IX.) und Lamentabili sane exitu (Pius X., "kleiner Syllabus") hervor, worauf der italienische Philosoph, Theologe und Konzilsperitus Romano Amerio in dem Buch Iota unum hinweist:
Romano Amerio hat geschrieben:In any event, we have two condemned propositions: Catholicism is compatible with modern civilization (Pius IX) and Catholicism is incompatible with true science (Pius X). From a comparison of the two condemnations, it becomes clear that modern civilization and true science do not correspond. While the Church distinguishes between modern civilization and true science, she does not cease condemning the spirit of the age. There can be knowledge which is true in a civilization which is false, but it is then garbed in a false spirit of which it must be stripped, by a kind of reclaiming action, so that it can be reclothed in the truth which is found in the Catholic system ...
In jedem Fall haben wir zwei verurteilte Sätze: Katholizismus ist vereinbar mit der modernen Zivilisation (Pius IX.) und Katholizismus ist unvereinbar mit echter Wissenschaft (Pius X.) Aus einem Vergleich der beiden Verurteilungen wird klar, dass die moderne Zivilisation und echte Wissenschaft nicht korrespondieren. Während die Kirche zwischen der modernen Zivilisation und echter Wissenschaft unterscheidet, hört sie nicht auf, den Zeitgeist zu verurteilen. Es kann Erkenntnis, die wahr ist, in einer Zivilisation geben, die falsch ist, aber sie ist dann in einen falschen Geist gewandet, von dem sie durch eine Art Rückgewinnungsverfahren isoliert werden muss, so dass sie wieder in die Wahrheit gekleidet werden kann, die im katholischen System zu finden ist ...
Pilgerer hat geschrieben:Die Sozialwissenschaften sind zum Beispiel die Wissenschaften der menschlichen Gesellschaft, aber können sie die Gesellschaft verstehen, ohne den Menschen selbst ganz zu kennen? Bleibt der Mensch nicht ein weißer Fleck? Sie können nicht klären, ob die Existenz des Menschen sinnlos oder sinnvoll ist. Ohne Sinn ist der Mensch irgendwie auch wertlos, und die moderne Gesellschaft krankt daran, dass die Menschen sich tatsächlich als wertlos empfinden, wenn sie bestimmte Lebensdaten (z.B. Arbeit, Familie) nicht verwirklicht haben. Der Mensch der modernen Humanwissenschaften ist ein leerer Datenträger, dessen Daten ständig erforscht werden, ohne nach dem Inneren zu fragen.
Dennoch halte ich - wenngleich es heute sehr provokant wäre - eine Art von christlicher Wissenschaft für möglich, die bestimmte Vorannahmen auf der Basis des klassischen christlichen Weltbildes nimmt und damit wissenschaftliche Gesetzesmäßigkeiten entwickelt. Das wäre vermutlich ein Bruch mit dem Kant'schen System, weil es eine Wissenschaft der Dinge an sich wäre.
Ja, eine solche Wissenschaft wäre extrem provokant. Ebenso ihre philosophische Grundlage. Man müsste sie nicht nur besser nicht christlich sondern katholisch nennen sondern auch vorkonziliar dazusagen. Sie wäre sicher nützlich, um Protestantismus und Modernismus auszutrocknen, dem Kulturmarxismus die Stiefel auszuziehen und auch den Maurern und Sozialingenieuren auf der Baustelle der neuen Weltordnung und der Weltreligion den Wasserhahn abzudrehen.
Die moderne Wissenschaft hat einen Verdienst: den Aberglauben des Volkes weitgehend zu überwinden, der als Relikt der heidnischen Zeiten noch im christlichen Abendland überlebt hat. Sie kann auch bestimmte esoterische Weltbilder falsifizieren. Das Problem ist jedoch, dass die Wissenschaft die Welt so weit zerlegen kann, bis ihr alles wie Sand durch den Händen zerrinnt. Um über bestimmte Dinge, Wesen oder die Menschen sprechen zu können, bedürfte es einer Definition derselben. Wenn diese Dinge, Wesen oder die Menschen aber nicht "sie selbst" sind, sondern Materieklumpen, dann ist die Benamung der Dinge, Wesen und Menschen immer willkürlich. Es gibt in der naturalistischen Wissenschaft keine echten Individuen (=unteilbare Einheiten), sondern alles setzt sich aus untergeordneten Teilen zusammen. Entweder muss die moderne Wissenschaft willkürliche - aber in sich unlogische - Benamungen der Wirklichkeit vornehmen, oder sie muss wieder auf metaphysische Grundlagen der Welt bezugnehmen. Eine metaphysische Grundlage wäre zum Beispiel der Begriff der "Substanz", wie er bei Aristoteles vorkommt: dann hat ein Marienkäfer eine metaphysische Sinngebung, die ihn zu einem unteilbaren Wesen (Individuum) mit einem ganz eigentümlichen Charakter macht, und über seine materielle Struktur hinaus geht.
Eine christliche Naturwissenschaft könnte sich an Aristoteles anlehnen und mit dem Logos argumentieren. Eine christliche Wirtschaftswissenschaft könnte die menschlichen Bedürfnisse und die Pfade zum größten Glück aus christlicher Sicht definieren. Eine christliche Pädagogik könnte sich wiederum am Paidagogos von Clemens von Alexandrien orientieren: http://www.unifr.ch/bkv/buch198.htm
Für Wissenschaft braucht es im Grunde gewisse Theorien, die sich in Wenn-Dann-Sätze umformulieren lassen. Dann können diese Wenn-Dann-Sätze empirisch überprüft werden. Eine christliche Geschichtswissenschaft könnte sich an der Theorie der Kirchenväter orientieren, dass die Menschheit ohne den Logos immer in Dunkelheit, Sünde und Tod gerät. In der Geschichte sehen wir bei bestimmten Völkern, wie sie christianisiert wurden, wie das wirkte und wie nun seit ca. 2-3 Jahren die Entchristianisierung wirkt. Wenn sich mit der Aufklärung das Abendland vom Logos abgewendet hat und einseitig zur eigenen, menschlichen Weisheit hingewendet hat, ist das aus der Sicht der Kirchenväter der Beginn einer neuen Verdunkelung (statt Erleuchtung). Tatsächlich hat, was mit der Aufklärung begann, zu den Massakern der Französischen Revolution geführt (die heute gern verschwiegen werden), daraus ist auch die Ideologie des Kommunismus entstanden, mit der der Nationalsozialismus eng zusammen hängt, und beide haben zu den größten Massenmorden der europäischen Geschichte geführt. Dieses barbarische Potential der Europäer ist noch vorhanden, aber es findet heute eher subtiler Bahn.
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Pilgerer hat geschrieben:
Pilgerer hat geschrieben:
overkott hat geschrieben:Wo und wie wird die Theologie durch empirische Naturwissenschaft gestützt oder falsifiziert?
Zum Beispiel durch Methoden beim Bestimmen des Alters von Dokumenten.
Die empirische Naturwissenschaft kann hier jedoch nur die vorhandenen Dokumente überprüfen. Sie kann nicht feststellen, ob es im Jahr 40 n. Chr. eine Evangeliumsschriftrolle (z.B. von Markus) gab, die später verloren gegangen ist.
Sie wird theologisch dafür in Anspruch genommen, was sie kann, nicht dafür, was sie nicht kann.
Wenn Menschen jedoch beim Lesen eines Evangeliums diese eigenartige Anziehungskraft spüren, die den biblischen Texten innewohnt, dann können sie subjektiv und metaphysisch zu einem Wissen darüber kommen, ob dieses Evangelium von Gott oder von Menschen ist.
Vor allem darüber, dass Jesus sich mit Gott identifiziert. In Christus gibt es keinen Unterschied zwischen Gott und Mensch. Gott wohnt nicht etwa in Tempeln, die von Menschen gemacht sind, sondern in der Welt, vor allem aber im Herzen des Menschen guten Willens [bonae voluntatis].
Pilgerer hat geschrieben:Die moderne Wissenschaft hat einen Verdienst: den Aberglauben des Volkes weitgehend zu überwinden, der als Relikt der heidnischen Zeiten noch im christlichen Abendland überlebt hat.
Praktisch ist es ein Fortschritt, wenn Schulmedizinern gelingt, was Schamanen versagt bleibt. Bei Aberglauben aber muss man differenzieren in das, was der Religionsfreiheit entspricht, und das, was nicht dem Guten dient. Gute Wünsche und Segnungen sind also kein Aberglaube, aber Flüche und Schadenzauber, also alles, was der Liebe und dem Frieden widerspricht.
Sie kann auch bestimmte esoterische Weltbilder falsifizieren.
Auf dieses weltanschaulich-philosophische Niveau werden sich Forscher kaum begeben, ohne ihre selbstgesteckten Forschungsgrenzen zu überschreiten.
Um über bestimmte Dinge, Wesen oder die Menschen sprechen zu können, bedürfte es einer Definition derselben. Wenn diese Dinge, Wesen oder die Menschen aber nicht "sie selbst" sind, sondern Materieklumpen, dann ist die Benamung der Dinge, Wesen und Menschen immer willkürlich.
Relativ willkürlich. Wenn man sich verständigen will, ist das natürlich nicht mehr ganz so willkürlich.
Es gibt in der naturalistischen Wissenschaft keine echten Individuen (=unteilbare Einheiten), sondern alles setzt sich aus untergeordneten Teilen zusammen.
Seltsam, seltsam, diese Ansicht.
Eine christliche Naturwissenschaft ... Eine christliche Wirtschaftswissenschaft ... Eine christliche Pädagogik ...
Gibt es im Fachbereich Theologie unter anderer Bezeichnung.

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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von Pilgerer »

overkott hat geschrieben:Relativ willkürlich. Wenn man sich verständigen will, ist das natürlich nicht mehr ganz so willkürlich.
Das führt aber dazu, dass man sich über an sich unbekannte Dinge verständigen will. Ein naturalistisches Weltbild kommt, wenn es konsequent ist, zur Erkenntnis, nichts zu wissen. Denn es kann alle Dinge in der Welt in Einzelteile zerlegen, sodass die Dinge in kleinere Bauteile zerfallen. Existieren dann die Dinge, weil wir sie definieren (oder wir uns darauf einigen) oder existieren sie aus sich selbst heraus? Das ist ja die entscheidende Frage beim Konflikt zwischen der fürs Metaphysische offenen Naturphilosophie und dem Naturalismus: Gibt es Dinge unabhängig von menschlicher Erkenntnisfähigkeit oder entstehen sie durch menschliche Forschung und Deutung?
10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen. (Jesaja 35,10)

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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Buchzeit hat sich mit dem Thema beschäftigt:

http://www.3sat.de/mediathek/mediathek. ... &mode=play

Ein bemerkenswerter Ansatz. Der Buchzeit-Beitrag enthält folgende Ideen aus der Philosophiegeschichte: Schöpfer, moralische Instanz, praktischer Theismus (Wette).

Was der Beitrag nicht enthält ist der Hinweis auf Sprachphilosophie und die entsprechenden Definitionen:

Was ist eine Definition?
Was ist ein Beweis?
Was ist ein Wesen?
Was ist Sinn?
Was ist Gott?
Was sagt die Bibel als theologisch-philosophische Textsammlung?
Inwieweit bleiben Philosophen hinter diesem Ansatz zurück oder denken ihn nur mit neuen Worten nach?

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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Mit der Frage nach der Existenz des Guten, stellt sich auch die Frage nach der Existenz des Bösen. Gibt es Böses oder das Böse? Die biblische Antwort darauf ist: Nicht vom höheren Guten. Auch das böse Geschöpf, der böse Engel, der böse Mensch ist im Prinzip gut. Erst in der falschen Konsequenz wird er schlecht. Das Böse ist also eine falsche Beziehung zum Guten: ein Abfall vom Guten, ein Neinsagen zum Guten, ein Versagen. Wenn aber das Sein, das Leben vom Guten ist, dann ist das Böse ein Streben zum Nichtsein, zum Tod. Wer das Leben liebt, liebt den Guten. Gott ist das neue Wort für den Guten.

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Re: Gott finden in allen Dingen

Beitrag von overkott »

Daraus ergeben sich weitere Selbstverständlichkeiten: Wir verachten das Böse, weil es uns schadet, krank macht, umbringt. Dabei ist es noch das kleinere Übel, wenn es uns nur selber schadet. Schlechter ist, wenn es allen schadet, den Staat, die Welt bedroht.

Das ist der ewige Grundkonflikt zwischen Gott und seinem Widersacher, der die Geschichte und alle Geschichten durchzieht in immer neuen Variationen. Deshalb auch erzählt die Bibel die Geschichte der Geschichten von der Erschaffung der Welt bis zur ihrer Wiederherstellung.

Bei dieser Geschichte sitzen wir aber weder auf dem Olymp, noch im Kinostuhl, sondern sind life dabei: Wir entscheiden auf welcher Seite wir stehen und welcher nicht.

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