Clemens hat geschrieben:
Ähhh... Selbstakzeptanz ist eines der drei wichtigsten Themen des christlichen Glaubens?

Auf dem ersten Blick könnte das natürlich wie ein Gegensatz zu der Forderung des sich selbst Erniedrigens in der Nachfolge Christi wirken. Wenn ich länger darüber nachdenke erscheint mir aber ein ausreichendes oder "gesundes" Maß an Selbstakzeptanz (oder sogar Eigenliebe) als wesentlicher Bestandteil einer christlich katholischen Lebensführung.
Grundsätzlich besteht in dieser Diskussion jedoch das Problem der Definition einer solchen Selbstakzeptanz, Selbstannahme oder Eigenliebe. Diejenigen, die Selbstakzeptanz als erstrebenswertes Ziel ablehnen haben doch vielleicht schon längst das erreicht, wonach andere streben?
Sich selbst als einzigartiges Geschöpf, als von Gott gewollt und geliebt zu empfinden ist doch wichtig um überhaupt auch das Gebot der Gottes- und Nächstenliebe erfüllen zu können. Wer - aus welchen (zunächst oft unverschuldeten) Gründen auch immer - sich in Frage stellt gerät leicht in Gefahr der Acedia zu verfallen. Ignatius von Loyola schreibt dazu (Ex. Spir. 317):
Verzweiflung nenne ich, was dem in der dritten Regel Gesagten völlig entgegengesetzt ist,
Finsternis und Aufruhr der Seele, Neigung zu den niedrigen und irdischen Dingen,
verschiedene Unruhen und Versuchungen, die zum Unglauben führen und die Seele ohne
Hoffnung zurücklassen, ohne Liebe, faul, lau, traurig, wie von ihrem Schöpfer und Herrn
getrennt...
Und das ist doch das Schlimmste was passieren kann, sich von Gott zu trennen. Gott selbst lässt das Band nicht los, er wirbt auch immer wieder um uns, aber wir können es leider aus der Hand geben. Und meines Erachtens nicht immer aus dem Grund, daß wir uns vielleicht zu sehr selbst lieben, sondern oft aus dem Grund, daß wir uns als wertlos, ja sogar fälschlicherweise, als von Gott verlassen, betrachten und deshalb vollkommen den Mut verlieren.
Mir ist noch eine großartige Predigt bestens in Erinnerung, die ich von Kardinal Brandmüller hören durfte, er zitierte dabei eindrucksvoll Papst Leo d. Gr.:
Christ, erkenne deine Würde! Du bist der göttlichen Natur teilhaftig geworden, kehre nicht zu der alten Erbärmlichkeit zurück und lebe nicht unter deiner Würde
Deshalb meine ich, daß ein gewisses Maß ein Selbstakzeptanz und Eigenliebe auch erstrebenswert ist!
Der Herr ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.
Nec laudibus, nec timore