Alles zum Thema Straßen-, Schienen- u. Luftverkehr

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Caviteño
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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Freitag 9. Mai 2014, 11:54

China denkt über eine Zugverbindung in die USA nach:
Die 13. Kilometer lange Strecke soll von Nordostchina über Ostsibirien verlaufen und dort die Beringstraße zwischen Asien und Amerika überqueren. Durch Alaska und Kanada hindurch könnte der Schienenweg bis ins Kernland der Vereinigten Staaten vordringen, berichtet heute morgen die regierungsnahe Tageszeitung „China Daily“.
(...)
Nach Wangs Vorstellungen sollen auf der Strecke Hochgeschwindigkeitszüge eingesetzt werden. Bei einem Höchsttempo von 35 Kilometern in der Stunde würde es weniger als zwei Tage dauern, um von China nach Amerika zu gelangen. Russland unterstütze das Projekt ebenfalls, versicherte der Techniker.
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/f ... 38.html

Ob sich das Projekt rechnen würde?
Für den Passagierverkehr wäre es mE zu zeitaufwendig, ein Flug ist erheblich kürzer und beim Güterverkehr muß man gegen den günstigen Seetransport antreten.

Lilaimmerdieselbe
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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Freitag 9. Mai 2014, 12:11

Ob die Chinesen sich darüber klar sind, welch ein Schienennetz die USA haben?

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Reinhard
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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Reinhard » Freitag 9. Mai 2014, 12:47

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Ob die Chinesen sich darüber klar sind, welch ein Schienennetz die USA haben?
Denke, schon. Aber vielleicht ist diese Interkontinentaltrasse ja nur der Brückenkopf für die Übernahme der restlichen Verbindungen ? ;D

In Afrika üben die Chinesen ja schon mal, wie man durch Investitionen die gesamte Infrastruktur übernimmt.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Freitag 9. Mai 2014, 16:21

Lilaimmerdieselbe hat geschrieben:Ob die Chinesen sich darüber klar sind, welch ein Schienennetz die USA haben?
Mit Sicherheit, denn sie lesen Zeitung. Die USA bauen ihr Eisenbahnnetz richten ebenfalls Hochgeschwindigkeitsstrecken ein:

http://www.welt.de/wirtschaft/article6 ... nbahn.html

Die Planungen bis 23 kann man hier sehen. Ich kann mir vorstellen, daß - falls es wirklich zu der oben dargestellten Verbindung kommen sollte - der Ausbau der Eisenbahn in den USA hohe Priorität genießen wird. Bereits 28 haben die Wähler in Kalifornien 1 Mrden USD für den Ausbau der Strecke von L.A. nach San Francisco bereitgestellt.

Warren Buffet hat schon vor Jahren in Eisenbahnaktien investiert. Jetzt zeigt sich, daß er einmal wieder die "richtige Nase" hatte, denn neben dem steigenden Öltransport aufgrund der Fracking-Förderung wurden vermehrt Fabriken in Nord-Mexiko errichtet, deren Produkte ebenfalls transportiert werden müssen:

http://www.nzz.ch/finanzen/uebersicht/b ... 1.18115118

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von overkott » Samstag 10. Mai 2014, 14:52

Bild investigiert gegen einen Verkehrsexperten: Ein Uli Hoeneß der Grünen?

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... euern.html

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Maurus » Samstag 10. Mai 2014, 15:05

overkott hat geschrieben:Bild investigiert gegen einen Verkehrsexperten: Ein Uli Hoeneß der Grünen?

http://www.welt.de/politik/deutschland/ ... euern.html
Das wär dann aber ein ganz schöner Palast, wenn der mit der Methode 27 Mio € hinterzogen hätte.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Lilaimmerdieselbe » Samstag 10. Mai 2014, 15:07

Na ja, 2500 Euro sind vielleicht doch nicht die gleiche Dimension, zumal er sie einfach hinterzogen hat, indem er sich in Berlin nicht beim Einwohnermeldeamt angemeldet hat.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 4. Dezember 2014, 09:11

Wird die Bahncard abgeschafft?
Bei der Sitzung des Gremiums am 10. Dezember wolle sich das Management die Abschaffung der Bahncard genehmigen lassen. Sie solle zu einem Kundenkonto umgewandelt werden, das nur noch „Rabatte gemäß Auslastung eines Zuges und individuelle Rabatte nach Kundenumsatz“ garantiere, also für Großkunden und Vielfahrer. Damit reagiere die Bahn auf Qualitätsmängel im Fernverkehr und auf die erstarkte Konkurrenz durch Fernbusse.
Der Staatskonzern will dem Bericht zufolge im Fernverkehr drastisch sparen und die Kosten bis 2019 um 1,5 Milliarden Euro senken. Unwirtschaftliche Linien sollten eingestellt und die Nachtzüge nur noch „abhängig vom Optimierungspotential“ weitergeführt werden. Der Umsatzverlust durch die Fernbus-Konkurrenz werde mit mittelfristig 240 Millionen Euro pro Jahr beziffert. 2014 seien es rund 120 Millionen.
Ich wollte mir im neuen Jahr wieder eine Bahncard gönnen und einige Städte in D. aufsuchen. Mal abwarten, wie das neue Kundenbindungsprogramm aussieht.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Robert Weemeyer » Donnerstag 4. Dezember 2014, 10:05

Der Bahn zufolge handelt es sich um eine "dreiste Falschmeldung": http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/b ... 1799.html

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 4. Dezember 2014, 11:01

Robert Weemeyer hat geschrieben:Der Bahn zufolge handelt es sich um eine "dreiste Falschmeldung": http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/b ... 1799.html
Die Wortwahl ist schon bemerkenswert - fühlt man sich "ertappt" .... :hmm:

Die WELT berichtet:
Die Bahn dementierte den HR-Bericht "als dreiste Falschmeldung". Nach Informationen der "Welt" ist richtig, dass es weiterhin eine Plastikkundenkarte geben wird. Das dazugehörige Rabattsystem könnte allerdings komplett umgebaut werden. Damit wäre die Bahncard wie sie heute existiert abgeschafft.
Vielleicht ist das Grund für die Überreaktion:
Der ehemalige Bahn- und heutige Chef des Berliner Flughafens BER, Hartmut Mehdorn, hatte bereits 22 versucht, die beliebte Bahncard 5 abzuschaffen. Nach einem Sturm der Entrüstung musste er acht Monate später wieder zurückrudern.
Quelle: s. o. WELT-Artikel

Nichts fürchten die Herren Politiker oder Wirtschaftslenker so sehr wie einen Rückzug. Wenn dann zunächst die Schlagzeile "Bahncard wird abgeschafft" und nicht - wie von der Bahn beabsichtigt - z.B. "Schöner, besser, preiswerter - die neue Bahncard" lautet, hat man ein Problem. Das erklärt wahrscheinlich die Behauptung einer "dreisten" Falschmeldung.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Donnerstag 4. Dezember 2014, 14:56

Nachtrag

Trotz des wütenden Dementis der Bahn bleibt der hr bei seiner Meldung:
hr-iNFO hat ein Papier der Deutschen Bahn vorliegen, das als Vorlage für die nächste Aufsichtsratssitzung der Bahn am 1. Dezember dient. Darin ist von den in unserer Pressemeldung genannten Plänen zum tiefgreifenden Umbau der Bahncard die Rede.

Wir halten die Quelle für zuverlässig. Alles ist von unserem hr-iNFO-Mitarbeiter Carsten Jens, der seit Jahren beste und tiefgehende Kontakte zur DB pflegt, geprüft. hr-iNFO bleibt deswegen bei seiner Darstellung.
http://www.hr-online.de/website/radio/h ... t_53749169

Da scheint wohl jemand auf dem falschen Fuß erwischt worden zu sein. Die FAZ erläutert dazu:
Die Nachrichtenagentur dpa berichtet derweil, dass der Aufsichtsrat der Bahn am kommenden Mittwoch über mögliche Änderungen am Geschäftsmodell für den Fernverkehr beraten wolle. Das Kontrollgremium werde aber in der turnusmäßigen Sitzung keinen Beschluss zu Änderungen an der Preisstruktur fassen, will die Nachrichtenagentur aus zwei zuverlässigen Quellen erfahren haben. Es gebe dazu auch keine Beschlussvorlage. Dem Aufsichtsrat liegt nach dpa-Informationen eine 33-seitige Unterlage des Managements vor. Darin werden verschiedene Szenarien für Änderungen an der Preisstruktur und am Zugangebot dargestellt.
Der „Zwischenbericht“ solle als Diskussionsgrundlage dienen. Der Bahn-Vorstand habe den Auftrag, bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung im März 215 einen Abschlussbericht mit konkreten Vorschlägen zu erarbeiten, hieß es.
Ähnlich äußerte sich ein Aufsichtsratsmitglied der Bahn: Änderungen am Rabattsystem der Bahncard würden erwogen, seien aber noch nicht beschlussreif: Das sind erste Planspiele, noch ist nichts beschlossen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrates der Bahntochter DB Fernverkehr, Reiner Bieck, der Zeitung „Die Welt“. Eine Abschaffung der Bahncard sei nicht geplant.
(Hervorhebung von mir)

http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/k ... 268.html

Die ersten wenig freundlichen Leserbriefe findet man unter dem Artikel. Wahrscheinlich wollten Vorstand und Aufsichtsrat eine solche Diskussion im Vorfeld vermeiden.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Sonntag 7. Dezember 2014, 12:12

Ein Hintergrundbericht zum "Bahncard-Theater" der letzten Tage:

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/mei ... ageIndex_2

Das Problem sind wohl die Fernbusse und der Bahnvorstand hat keine Antwort.
Jetzt aber hat die Bahn eine neue Konkurrenz: die Fernbusse. Nach allem, was man hört, hatten die Bahnmanager völlig unterschätzt, wie viel sie das an Umsatz kosten würde. Allein für dieses Jahr wird mit einem Umsatzverlust von mehr als 12 Millionen Euro gerechnet; Tendenz weiter steigend.
(...)
„Der Wettbewerb durch die Fernbusse bringt die Bahn ganz schön auf Trab.“ Zugleich verkünden die Bahn-Oberen ständig, sie wollten sich auf keinen Preiswettbewerb mit den Bussen einlassen – weil sie den nur verlieren könnten.
Dabei ist es ausgesprochen seltsam, wenn Unternehmen, die einen neuen billigeren Konkurrenten haben, behaupten, sich auf den Wettbewerb nicht einlassen zu wollen. Es bleibt ihnen nämlich gar nichts anderes übrig.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 25. Februar 2015, 13:23

Die Nr. 1 auf der Welt beim Eisenbahnbau ist inzwischen China. Es hat auch das größte Hochgeschwindigkeitsnetz und wird zu einem ernsten Rivalen der europ. Eisenbahnhersteller:
Und doch ein kleiner Wurf, verglichen mit der Premiere vor zwei Jahren, am 26. Dezember 212: Damals feierte China die Eröffnung der weltweit längsten Bahnlinie für Hochgeschwindigkeitszüge. Die 2298 Kilometer von Peking in die Millionenmetropole Guangzhou im Süden des Landes schafft man seither in 8 Stunden – statt wie bisher in 22 Stunden. Der Rekord wird nicht lange halten: Als Nächstes geht es darum, Baotou, wichtigste Stadt der Inneren Mongolei im Norden Chinas, via eine fast 3 Kilometer lange Bahnlinie mit Haikou zu verbinden, der Hauptstadt der südlichen Insel Hainan.
(...)
Kaum vorstellbar, dass dieses Land, in dem bis 27 kein einziger Hochgeschwindigkeitszug verkehrte, heute über mehr als die Hälfte des weltweiten Schnellzugnetzes verfügt. Für 215 hat sich China zum Ziel gesetzt, die wichtigsten Provinzhauptstädte mit einem 18' Kilometer langen Schienennetz zu verbinden; die je vier horizontalen und vertikalen Bahnlinien werden eine Art überdimensionales Karomuster auf der Landkarte bilden. Darauf Züge, die mit bis zu 35 km/h durch die chinesische Landschaft jagen. Bis auf eine Länge von 25' Kilometern will China sein Hochgeschwindigkeitsnetz bis 22 ausbauen.
(...)
Von London nach Peking in 48 Stunden? Peking liebäugelt mit der Idee, sich per Schnellzug mit Europa zu verlinken. Eine Verbindung in die Hauptstädte Zent­ralasiens, weiter über Moskau oder Kiew. Eine neue Seidenstrasse sozusagen, die dem chinesischen Handel zugutekäme. Der Frachttransport wäre auf Schienen deutlich schneller als auf dem Seeweg. Und auch hier wären die fern von der Küste liegenden Städte die grössten Nutzniesser. Aus dem gleichen Grund strebt China danach, sein Hochgeschwindigkeitsnetz auf Südostasien auszuweiten: via Laos, Thailand und Malaysia bis nach Singapur, aber auch nach Kambodscha und Vietnam. Selbst eine Verbindung nach Burma, Indien und Pakis­tan steht zur Diskussion.
(...)
Dank der «Schnellzug-Diplomatie» verbindet seit 214 eine teilweise von chinesischen Firmen gebaute Hochgeschwindigkeitslinie die Städte Istanbul und Ankara. In Venezuela hat China mit den ersten Bauarbeiten auf dem lateinamerikanischen Markt begonnen. In Mexiko ist man im Rennen um einen Grossauftrag. Gespräche laufen auch mit rund zehn weiteren Ländern in Asien, Afrika und im Westen. Natürlich dienen solche Aufträge unter anderem dazu, die chinesische Eisenbahnoffensive zu finanzieren. Aber bestimmt auch dazu, sich auf den aufstrebenden Märkten unentbehrlich zu machen.
http://www.derbund.ch/wirtschaft/Mit-Hi ... y/21181659

Es gibt bereits eine Güterzugverbindung zwischen China und Deutschland - den Trans-Eurasia-Express. Die Züge fahren über Nordost-China, die Mongolei oder Kasachstan nach West-Europa. Die Fahrt dauert ca. drei Wochen, ist aber noch immer schneller als der Seetransport. Hauptkunde ist..
Seit November 211 verlässt täglich ein Ganzzug, beladen mit 4 Containern, das BMW Werk Leipzig in Richtung Shenyang, China.(...)
Der Zug legt eine Strecke von rund 11.km zurück und durchquert dabei Deutschland, Polen, Weißrussland, Russland und China. Nach einer Transportzeit von 23 Tagen erreicht der Zug das BMW-Brilliance-Werk in Nordchina. Damit ist der Transport auf der Schiene im Vergleich etwa doppelt so schnell wie das Schiff.
Aufgrund der verschiedenen Spurweiten auf der Strecke durch 5 Länder, sind zwei Umkranungen der Container erforderlich. Die erste erfolgt an der weißrussischen Grenze in Malaszewicze/Brest von Normalspur- auf Breitspurwaggons und an der chinesischen Grenze wieder zurück auf Normalspurwaggons.
http://www.rail.dbschenker.de/automotiv ... china.html

Man wagt sich nicht vorzustellen, wie eine Hochgeschwindigkeitsstrecke den Warenaustausch intensivieren würde.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von holzi » Mittwoch 25. Februar 2015, 19:19

Für die Massenwaren wäre das kein Ersatz, aber eine willkommene Ergänzung, die sowohl von der Laufzeit als auch vom Preis zwischen Luft- und Seefracht rangieren dürfte.
Diese Nachricht wurde CO²-neutral, umweltfreundlich, aus wiederverwerteten Buchstaben von weggeworfenen E-Mails geschrieben und ist digital voll abbaubar.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 4. März 2015, 07:19

China plant den längsten Tunnel der Welt:
Wenn der Nationale Volkskongress grünes Licht gibt und das Vorhaben in seine offiziellen Wirtschaftspläne aufnimmt, entsteht im Nordosten des Landes eine Eisenbahnstrecke am Meeresgrund, die zweimal länger wird als die bisherigen beiden Rekordhalter für Unterwassertunnel zusammen. Eine positive Entscheidung der Wirtschaftsplaner gilt dabei als sicher – es könnte allenfalls Verzögerungen geben.
Das rekordsüchtige China könnte Europa und Japan somit ein weiteres Mal übertrumpfen. Bisher streiten sich zwei mit jeweils gut 5 Kilometern fast gleich lange Tunnel um den Unterwasser-Weltrekord: Der Eurotunnel zwischen England und Frankreich und der Seikan-Tunnel, der zwei der japanischen Hauptinseln miteinander verbindet. Demnächst geht es hier jedoch jedoch allenfalls um Platz zwei: Der chinesische Tunnel soll 125 Kilometer lang werden und lässt damit die Bauwerke der alten Industrieländer weit hinter sich.
Die große Zeit der chinesischen Megaprojekte scheint jetzt erst anzubrechen. Das Land gibt sich nicht mit den längsten Brücken und meisten Wolkenkratzern zufrieden. Die neuen Vorhaben müssen gleich um mehrere Größenordnungen gewaltiger sein als alles, was andere Länder bisher zustande gebracht haben.
Der neue Tunnel hat dabei verkehrspolitisch durchaus Sinn – es fragt sich nur, ob die hohen Kosten auch gerechtfertigt sind. Der „Bohai-Tunnel“ soll die Hafenstadt Dalian in der Provinz Liaoning mit Yantai im reichen Shandong verbinden.
http://www.handelsblatt.com/technik/ene ... 44476.html

Hohe Kosten :hmm:
In dem Artikel ist von 3 - 4 Mrden Euro die Rede - gute 1% des Betrages, der bisher in GR versenkt wurde. Wobei "versenken" den Sachverhalt durchaus trifft, denn der neue Tunnel soll nicht durch Gestein gebohrt oder gesprengt werden. Es ist daran gedacht, ihn als eine "überdachte Strecke auf den Meeresboden zu stellen" - also fertige Bauelemente auf dem Meeresboden zu "versenken."

Ein anderer Aspekt dieses Vorhabens wird leider in dem Artikel nicht erwähnt: Die Referenzfunktion.
Wenn in der nahen oder mittleren Zukunft andere Länder den Bau von Tunneln, Brücken oder Hochgeschwindigkeitsstrecken planen und ausschreiben, kann China auf seine Erfahrung und seine Pilotprojekte verweisen. Anschauungsobjekte, Erfahrung mit der Errichtung plus Finanzierung (aus den Außenhandelsüberschüssen) - welches "Dritt-Welt-Land" kann da schon "Nein" sagen. :pfeif:

Da kann die Wettbewerbsfähigkeit Europas nur noch durch eine kräftige Abwertung des Euros hergestellt werden - Italien und die Lira lassen grüßen.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Sonntag 19. Juli 2015, 03:42

Auf unserer Fahrt durch den Südwesten der USA sind mir die kilometerlangen Güterzüge und die - relativ zu D. - wenigen, allerdings großen LKW's aufgefallen.

Als ich mir im Netz dazu nähere Informationen holte, mußte ich doch ein - wohl nicht nur bei mir - gängiges Vorurteil über die "Autonation USA mit ihrem schlechten Eisenbahnnetz" revidieren.

In den USA werden ca. 38% (nach anderen Angaben sogar 45%) aller Güter mit der Bahn transportiert, in Europa liegt dieser Anteil bei 1% (mit erheblichen Unterschieden zwischen den Ländern). Grund ist - wie sollte es anders sein - vor allem der Preis:
So kostet der Lkw-Transport einer Tonne in der EU durchschnittlich 14 Cent je Kilometer. Die europäischen Frächter sind damit deutlich effizienter als ihre amerikanischen Kollegen: Denn dort betragen die Kosten 2 Cent. Der Bahnverkehr ist in beiden Wirtschaftsregionen billiger. Aufgrund der geringeren Flexibilität des Schienentransports muss die Differenz zur Straße jedoch hoch sein, um eine attraktive Alternative zu sein. Da der Tonnenkilometer in Europa elf Cent kostet, ist diese Differenz (drei Cent) nur gering. Anders in den USA: Mit nur einem Cent je Kilometer kostet der Transport auf der Schiene um zehn Cent weniger als in Europa und um 19 Cent weniger als auf der Straße.
http://diepresse.com/home/wirtschaft/ec ... ffizienter

Grund sind die geringen Kosten der US-Bahnen:
Nordamerikanische Güterbahnen produzieren nicht nur günstig, weil sie sich ihre Trassen nicht mit Personenzügen teilen. Und obwohl sie mit Dieseltraktion unterwegs sind, ist die Umwelt kein Nonvaleur; die Auflagen dafür werden weiter verschärft.
Nordamerikanische Güterbahnen produzieren zu äusserst tiefen Kosten. Laut einer Studie des Fraunhofer-Instituts von 27 betragen die Kosten für einen Tonnenkilometer € .1. Durch einen Lastwagen erbracht, schlägt dort die gleiche Leistung mit € .2 zu Buche. Diese Kostendifferenz wie auch die grossen Distanzen dürften Gründe für den hohen Bahnanteil am Warentransport von 45 Prozent sein. Lastwagen bewältigen bloss 3 Prozent des Güterverkehrs. In Europa ist die Kostendifferenz zwischen Schiene und Strasse geringer. Für einen Tonnenkilometer sind bei der Bahn € .11 zu berappen und beim Lastwagen € .14. Der Bahnanteil in der EU beträgt bescheidene 1,7 Prozent; auf der Strasse wird mit 45,6 Prozent das Vierfache dieser Leistung erbracht.
http://glaettli.li/?p=62

Die Schwierigkeiten bei der Deutschen Bahn liegen aber nicht nur im technischen Bereich. Auch die anders geartete Infrastruktur gehört dazu. Die Probleme werden in diesem Artikel gut beschrieben:

http://www.faz.net/aktuell/technik-moto ... ageIndex_2

In einem so großflächligen Land wie den USA wäre es vemutlich eine Geldvernichtung, den Personenverkehr zwischen den Zentren auf Bahnverkehr umstellen zu wollen. Da ist das Flugzeug schneller. Aber für den Gütertransport bietet sich die Schiene an.

"Güter gehören auf die Bahn" - in den USA wird das besser realisiert als im bahnaffinen D. und mein optischer Eindruck hat mich nicht getäuscht: Ich habe hier in drei Wochen mehr Güterwagen (nicht -züge) auf der Schiene gesehen als im gleichen Zeitraum im Ruhrgebiet und viel weniger LKW's als auf deutschen Autobahnen.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Niels » Sonntag 19. Juli 2015, 08:35

Interessant. Wieder was dazugelernt. :daumen-rauf:
Attende Domine, et miserere, quia peccavimus tibi.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von overkott » Samstag 8. August 2015, 10:32

Bundesverkehrsminister Dobrindt denkt über Straßenbau auf Leasing-Basis nach. Der Vorteil: Der Staat muss für den Straßenbau zunächst einmal weniger Maut einnehmen, weniger Steuern ausgeben und weniger Schulden machen. Der Nachteil: Langfristig werden Straßen dadurch teurer.

Zur Finanzierung des Straßenbaus könnten allerdings neue Einnahmequellen durch Vermarktung von Werbeträgern und Werbeflächen erschlossen werden. Der Name von Flugplätzen, Straßen und Brücken zum Beispiel könnte durch langjährige Pachtverträge an Werbetreibende vergeben werden. Für kurzfristige Werbung könnten Brücken und Schallschutzwände als Bandenwerbung genutzt werden. Der Preis könnte sich nach dem Verkehrsaufkommen richten.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Siard » Samstag 8. August 2015, 10:51

Die PPP war bisher immer lukrativ für die private Seite, die Öffentlichkeit (= der Steuerzahler) trägt das Risiko und zahlt sowieso.
Sie sägten die Äste ab, auf denen sie saßen
Und schrieen sich zu ihre Erfahrungen,
Wie man schneller sägen könnte, und fuhren
Mit Krachen in die Tiefe, und die ihnen zusahen,
Schüttelten die Köpfe beim Sägen und
Sägten weiter.

Berthold Brecht

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von overkott » Samstag 8. August 2015, 11:00

Für die Vermarktung der kurzfristigen Bandenwerbung sollte der Staat die private Werbeindustrie als Partner gewinnen. Im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung vergibt der Staat Lizenzen an private Subunternehmer. Das Erschließen neuer Finanzquellen für den Straßenbau ist damit zugleich ein Investitionsprogramm. Bundesverkehrsminister Dobrindt ist aufgefordert, die gesetzlichen Rahmenbedingungen auszuarbeiten.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Sonntag 23. August 2015, 15:38

Ich hatte hier bereits über den hohen Gütertransport in den USA auf der Schiene berichtet. Die NZZ hat heute Vergleichszahlen für einige Länder veröffentlicht:

http://www.nzz.ch/wirtschaft/entschuldi ... 1.18662

Besonders erstaunt hat mich, daß die USA weltweit die Nr. 1 im Schienen-Gütertransport (gemessen an Tonnenkilometer) sind, vor Russland und China. D. erreicht nur ca. 3% der US-Zahlen. Interessant auch die Anzahl der Lokomotiven in den USA gibt es 24. in D. 4..

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von HeGe » Dienstag 13. Oktober 2015, 16:32

Auch Straßenbahnen können sich offenbar in der Innenstadt verfahren: :)

http://www.general-anzeiger-bonn.de/bon ... 42276.html
Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Niels » Mittwoch 21. Oktober 2015, 09:12

"In zwei Minuten kommt der Zug Richtung Messe – wirklich? Auf die Informationen auf den Hinweistafeln in U-Bahnen und an stark frequentierten Haltestellen ist nicht immer Verlass". Das soll sich jetzt ändern: http://www.derwesten.de/staedte/essen/d ... 4426.html

:anton:

Ich habe ja damals immer gesagt: Wer wissen will, was Zeitdilatation ist, muss nur mal in Essen U-Bahn fahren wollen.
Eine "Evag-Minute" sind durchaus manchmal fünf "normale" Minuten...

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von HeGe » Freitag 27. November 2015, 16:13

Preces meae non sunt dignae: / Sed tu bonus fac benigne, / Ne perenni cremer igne.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Mittwoch 2. Dezember 2015, 01:57

Es wird erneut versprochen:

Bahn soll pünkticher und sauberer werden
Die Devise im kommenden Jahr lautet: „Ärgernisse beseitigen“. Von 2017 bis 2020 will man dann „Qualität, die überzeugt“ liefern. Im kommenden Jahrzehnt bis 2030 gilt schließlich das Versprechen an die Kunden: „Leistung, die begeistert“.
Vor wenigen Tagen konnte man lesen, daß es kaum gelingt, neue Lokführer zu rekrutieren. Arbeitspläne und Bezahlung sind halt nicht attraktiv. Aber solange Geld da ist, um dumme Sprüche der Unternehmensberater zu bezahlen, kann es nicht ganz so schlimm sein.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Sonntag 27. Dezember 2015, 10:42

Viele Autofahrer freuen sich über die derzeit vergleichsweise günstigen Kraftstoffpreise. Allerdings ist der Benzinpreis zuletzt weit weniger gesunken als der Rohölpreis. Wie kommt es eigentlich dazu? Seit den Höchstständen im Sommer 2012 hat sich der Rohölpreis um zwei Drittel verbilligt. Der Liter Super (E5) kostete damals ca. 1,70 Euro und ist jetzt für 1,20 Euro zu haben. Das ist aber nur rund ein Drittel günstiger. Warum ist das so? Selbst wenn man den schwachen Euro berücksichtigt, müsste der Benzinpreis noch deutlich niedriger sein. Lassen das die Marktbedingungen nicht zu? Oder ist das einfach nur Abzocke?

Bahnfahren ist im Moment ebenfalls vergleichsweise günstig. Wenn man die Sparangebote geschickt ausnutzt, kommt man auf bestimmten Strecken sogar noch billiger weg als vor Jahresfrist.
„Die letzte Messe ist noch nicht gelesen.“
(Jelena Tschudinowa)

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Gallus » Sonntag 27. Dezember 2015, 11:07

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:Viele Autofahrer freuen sich über die derzeit vergleichsweise günstigen Kraftstoffpreise. Allerdings ist der Benzinpreis zuletzt weit weniger gesunken als der Rohölpreis. Wie kommt es eigentlich dazu? Seit den Höchstständen im Sommer 2012 hat sich der Rohölpreis um zwei Drittel verbilligt. Der Liter Super (E5) kostete damals ca. 1,70 Euro und ist jetzt für 1,20 Euro zu haben. Das ist aber nur rund ein Drittel günstiger. Warum ist das so?
Das sieht in der anderen Richtung nicht anders aus. Zwischen 2009 und 2011 hat sich der Rohölpreis mehr als verdreifacht, die Benzinpreise sind dagegen wesentlich weniger gestiegen.

Der Grund ist ganz einfach: Rohöl macht nur einen Teil der Kosten aus. Dazu kommen Kosten für die Raffinerien, Transportkosten, Kosten für den Erhalt des Tankstellennetzes, und so weiter. Da spielen also Personalkosten, Immobilienpreise, Kosten für Investitionen in Sachanlagen usw. eine Rolle, die sich ganz anders verhalten können als der Rohölpreis. Und dazu kommen natürlich noch Steuern. Die Energiesteuer ist z.B. ein Fixbetrag pro Liter Benzin, kein prozentual ermittelter Betrag wie bei der Mehrwertsteuer. Dieser Sockel bleibt also, unabhängig vom Rohölpreis.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Libertas Ecclesiae » Sonntag 27. Dezember 2015, 12:09

Gallus hat geschrieben:Das sieht in der anderen Richtung nicht anders aus. Zwischen 29 und 211 hat sich der Rohölpreis mehr als verdreifacht, die Benzinpreise sind dagegen wesentlich weniger gestiegen.
Allerdings war der Rohölpreis aufgrund der Finanzkrise 28/9 extrem starken Schwankungen ausgesetzt, da kommt es natürlich darauf an, von welchem Sockel aus man die Vergleichsdaten heranzieht.
Gallus hat geschrieben:Der Grund ist ganz einfach: Rohöl macht nur einen Teil der Kosten aus. Dazu kommen Kosten für die Raffinerien, Transportkosten, Kosten für den Erhalt des Tankstellennetzes, und so weiter. Da spielen also Personalkosten, Immobilienpreise, Kosten für Investitionen in Sachanlagen usw. eine Rolle, die sich ganz anders verhalten können als der Rohölpreis. Und dazu kommen natürlich noch Steuern. Die Energiesteuer ist z.B. ein Fixbetrag pro Liter Benzin, kein prozentual ermittelter Betrag wie bei der Mehrwertsteuer. Dieser Sockel bleibt also, unabhängig vom Rohölpreis.
Gilt der aktuelle Mineralöl- bzw. Energiesteuersatz nicht schon seit 23?

Selbst wenn man die von Dir genannten Faktoren berücksichtigt, erscheinen mir vor dem Hintergrund der Preisentwicklung der letzten zehn bis 15 Jahre die aktuellen Kraftstoffpreise immer noch deutlich überhöht.

https://www.adac.de/_mmm/pdf/1998-214_ ... _51779.pdf
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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Caviteño » Sonntag 27. Dezember 2015, 12:46

Libertas Ecclesiae hat geschrieben: Selbst wenn man die von Dir genannten Faktoren berücksichtigt, erscheinen mir vor dem Hintergrund der Preisentwicklung der letzten zehn bis 15 Jahre die aktuellen Kraftstoffpreise immer noch deutlich überhöht.
Na ja, bei einer Mineralölsteuer iHv ,6545 € für Benzin bzw., ,474 € für Diesel und einer Umsatzsteuer iHv 19%, die von Schäuble abgezockt werden, bleibt eigentlich für den Restbetrag nicht mehr so ganz viel übrig.

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/s ... -1.193757

Nimmt man einen Dieselpreis von 1 €, so sind darin ,47 € Mineralösteuer und ,16 € Umsatzsteuer enthalten = ,63 € Steueranteil. Ein Barrel Rohöl liegt bei 38 USD = ca. 35 € oder ca ,23 €/l. Bleiben also (,63+,23 =) ,86 € zu einem Verkaufspreis von 1 € ca. ,14 € -Rohgewinn. Daraus müssen alle oben aufgeführten Kosten bestritten werden.
Hälst Du das für überzogen?

Gewinne machen die Ölgesellschaften jedenfalls kaum. Da muß man sich nur die Kursentwicklung von Exxon, Shell oder Chevron anschauen.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Gallus » Sonntag 27. Dezember 2015, 13:47

Libertas Ecclesiae hat geschrieben:Gilt der aktuelle Mineralöl- bzw. Energiesteuersatz nicht schon seit 23?

Selbst wenn man die von Dir genannten Faktoren berücksichtigt, erscheinen mir vor dem Hintergrund der Preisentwicklung der letzten zehn bis 15 Jahre die aktuellen Kraftstoffpreise immer noch deutlich überhöht.

https://www.adac.de/_mmm/pdf/1998-214_ ... _51779.pdf
Ja, der Energiesteuersatz gilt schon eine Weile, aber das spielt keine Rolle. Die Rechnung von Caviteno zeigt das ja. Man kann sie auch nochmal von der anderen Seite angehen: Wenn beim Diesel pro Liter 63 cent für den Steueranteil weggehen, dann bleiben nur 37%, also etwas mehr als 1/3 des Preises, die überhaupt je nach Marktsituation schwanken können (natürlich nicht ganz exakt, weil die Umsatzsteuer eine Wert- und keine Mengensteuer ist, aber über den Daumen gepeilt kommt es hin). Dazu kommen wie gesagt jede Menge andere Fixkosten, die gedeckt werden müssen.

Unterm Strich ist das Rohöl für vielleicht 1/4 des Literpreises verantwortlich. Der Rest wird von anderen Dingen verursacht. Dann kannst Du aber auch nicht erwarten, dass ein Sinken des Rohölpreises um 2/3 sich auch in einem Absinken des Benzinpreises um 2/3 niederschlägt. Ein Absinken um (1/4)*(2/3)=1/6 wäre da (wie gesagt nach einer schlampigen Serviettenrechnung) schon realistischer, solange die anderen Kosten konstant bleiben. Und das kommt über den Daumen gepeilt hin, ich zahle im Moment hier 1,28 für den Liter Super, das sind gut 3 cent weniger als in der Spitze vor einigen Jahren.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von overkott » Sonntag 27. Dezember 2015, 14:09

Gallus hat geschrieben:Und das kommt über den Daumen gepeilt hin, ich zahle im Moment hier 1,28 für den Liter Super, das sind gut 30 cent weniger als in der Spitze vor einigen Jahren.
Wer jetzt noch Umwelt bewusst fährt, der kann noch ein bisschen mehr sparen: zum Beispiel nicht nur ein paar Cent, sondern auch Nerven. Amerikanisches Tempo 90 auf der Autobahn spart viel Beschleunigen und Bremsen. Du gleitest auf die Autobahn, fährst mit Tempomat eine Stunde Tempo 90, gleitest von der Autobahn. Wunderbar, ökologisch, erholsam.

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Re: Alles zum Thema Straßen- und Schienenverkehr

Beitrag von Gallus » Sonntag 27. Dezember 2015, 14:17

overkott hat geschrieben:Wer jetzt noch Umwelt bewusst fährt, der kann noch ein bisschen mehr sparen: zum Beispiel nicht nur ein paar Cent, sondern auch Nerven. Amerikanisches Tempo 90 auf der Autobahn spart viel Beschleunigen und Bremsen. Du gleitest auf die Autobahn, fährst mit Tempomat eine Stunde Tempo 90, gleitest von der Autobahn. Wunderbar, ökologisch, erholsam.
Fernstrecken fahre ich fast ausschließlich mit dem Zug, nur 1-2 mal im Jahr in den Urlaub nehme ich das Auto für die längere Distanz. Dann finde ich alles unter 160km/h auf einer freien Autobahn höchst gefährlich, weil einschläfernd.

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