Jürgen Fliege hat ein neues Buch geschrieben. Auf einer Internetseite gibt es darüber einen Bericht.
Es gibt Christen, die aufgrund folgender Paraphrase seines Textes Fliege für einen Apostaten halten. Das verstehe ich nicht. Könnte mir das bitte jemand erklären. (Anhand des Textes. Nicht mit „Fliege hat schon 1999 .... geschrieben“ oder „ er macht so eine dämliche Sendung“.)
>>Daß Gott seinen einzigen Sohn Menschen werden ließ, damit dieser die Sünden der Menschheit auf sich nehme, ist laut Fliege ein schwer zu vermittelndes „Horror-Angebot“. Durch ständiges Wiederholen in jedem Gottesdienst hätten die Kirchen versucht, diesen Nachteil wettzumachen.<<(Fliege)
In diversen Gesprächen, speziell nach dem Passions-Film von Herrn Gibson, hat man immer wieder gehört, dass es schwierig sei, den Menschen den Gott der Barmherzigkeit und der Güte glaubhaft zu vermitteln, wenn er andererseits zuließ, dass sein Sohn so brutal sterben musste. Daneben: Gott tat dies nur, um der Menschen Sünden reinzuwaschen und es hat keine anderen Weg dafür gegeben. – Außer den Nichtgläubigen, die das nur schwer verstehen, gibt es auch Christen, die damit Probleme haben, gerade wegen der Grausamkeit des Geschehens. (Eine Grausamkeit, die von den Menschen ausging und nicht von Gott.) Es gibt ja auch ernsthafte Überlegungen, Kindern den Anblick des Gekreuzigten zu ersparen. (Selbst wenn ich das für ein vorgeschobenes Argument der Christengegner halte.)
>>In der Spiritualität gehe es jedoch nicht um Wahrheit, sondern um Beziehungen.<< (Fliege)
Ebenfalls immer wieder gehört bei Auslegungen. - Ich glaube auch in erster Linie einer Person. Ich halte Jesus Christus den Auferstandenen für die „Wahrheit“. Mein Glaube fußt nicht auf dem Lehrgebäude, das sicherlich durch und durch logisch ist, aber dessen „Wahrheit“ ich mit meinen theol. Kenntnissen nicht erkennen kann. M.E. bedeutet Nachfolge, in erster Linie den Kontakt mit Gott halten. Alles andere, z.B. Verstehen der Glaubenswahrheiten, Zeugnisse durch das eigene Leben/die eigene Lebensführung, ist etwas um das man beten, sich dafür bereit halten und anstreben kann. Der „Erfolg“ dieser Bemühungen hängt aber von der Gnade des Herrn ab und wird uns nicht versprochen.
>>Wahrheit sei immer ein „blutbeschmiertes Kriterium der Religion“ gewesen: „Wer Blut predigt, muß sich nicht wundern, wenn er Blut erntet.“ Fliege wartet auf einen „Protestantismus ohne Blut“ und „ohne Herrschaft der rechten Lehre über die linke“.<< (Fliege)
Der Protestantismus, wie ich ihn kennen gelernt habe, ist etwas verwirrend, weil so vielfältig. Aber zu „Wahrheit, als blutverschmiertes Kriterium der Religion“ finden sich Beispiele in der Vergangenheit. Wer andere Religionen ansieht, findet Blut auch noch heute, es sei nur an die Anwendung der Scharia erinnert.
(Flieges Verbindung von Christentum (Eucharistie) und Blut ist nicht so gelungen, impliziert sie doch, dass auch heute noch Christen „Blut“ anderer Menschen in Kauf nehmen, um die Wahrheit durchzusetzen.)
Wo bitte ist mein Denkfehler? Was macht obiges Zitat von Fliege zum Text eines vom Glauben abgefallenen Menschen?
Übrigens gibt es in dem Artikel von idea zu Beginn höchst seltsame Aussagen. Dazu würde ich aber lieber erst den Originaltext von Fliege lesen, bei allem Respekt vor den idea-Journalisten
Fragender Gruß
Petra
