Ja schon, ...aber den "Beamer" kann man m.E. getrost verwenden, wenn man sich vom protestantischen "sola scriptura" nicht gefangen weiß, sondern sich über die Freiheit, die die "drei Säulen der Kirche" vermitteln, freut.
Mein Vater sel. Anged. hat mir einmal zum Thema sola scriptura vor etwa 30 Jahren (sinngemäß) gesagt: Wenn man alle vom Heiligen Geist erwirkten Bücher professionell sammeln und registrieren müsste, würdest Du staunen, wieviel Arbeit hierzu die Architekten mit dem Bau der Bibliothek hätten.
Du fragst: "Was ist mit Leib Christi gemeint?" Dabei viel mir ein, daß diese Frage meines Erachtens
hier und
hier abschliessend geklärt wurde, ...Du erinnerst Dich, Christoph?
Wenn Du fragst "Hat Jesus wirklich Fleisch angenommen?", dann höre ich heraus, daß Du diesen für heutige Ohren merkwürdigen Satz gerne ins Heute übersetzt wissen willst. Das will ich auch - aber Du müsstest Dich wirklich damit zufrieden geben, daß es tatsächlich Leute,wie mich gibt - denen der Satz völlig ausreicht! Du fragst (ein bisschen rhetorisch, aber macht nichts): "Geht es nicht um die Geschichtlichkeit der Geschichten?" - und ich denke: "Ja, sicher, gerade deshalb hat ja die historisch-kritische Methode (HKM) ihren festen Platz in der theologischen Forschung." Und die von Dir genannten Kohärenzen sind wirklich immerzu eine Herausforderung an jeden einzelnen von uns, ...aber ich meine, wir müssen das Rad nicht immerzu neu erfinden, deshalb lass mich hierzu noch ein bischen "beamen":
Das Positive an dem Werkzeug HKM ist die Möglichkeit, aus der tradierten Überlieferung den historischen Jesus deutlicher ins Heute zu vermitteln. M.E. geschieht dies, wenn dabei die Absicht "lauter" im Sinne von "gegründet auf den drei Säulen der Kirche" ist. So wie ich Benedikt vermittels seines Buches verstanden habe, bemüht er sich in seiner Eigenschaft als Theologe um die rechte Zuordnung der HKM in ihrer Eigenschaft als wissenschaftliche Methode. Im Zuge dieser Zuordnung wird mir als Leser deutlich, daß es fatal (und eben nicht "lauter" im o.g. Sinne) ist, wenn sich das Werkzeug der HKM als ideologisches "Bekenntnistransformationswerkzeug" entpuppt.
So stellt Papst Benedikt fest...:
Josef Ratzinger Benedikt XVI. hat geschrieben:"Die Fortschritte der historisch-kritischen Forschung führten zu immer weiter verfeinerten Unterscheidungen zwischen Traditionsschichten, hinter denen die Gestalt Jesu, auf den sich doch der Glaube bezieht, immer undeutlicher wurde, immer mehr an Kontur verlor. Zugleich freilich wurden die Rekonstruktionen dieses Jesus, der hinter den Traditionen der Evangelisten und ihrer Quellen gesucht werden mußte, immer gegensätzlicher: vom antirömischen Revolutionär, der auf den Umsturz der bestehenden Mächte hinarbeitet und freilich scheitert, bis zum sanften Moralisten, der alles billigt und dabei unbegreiflicherweise selber unter die Räder kommt. Wer mehrere dieser Rekonstruktionen nebeneinander liest, kann alsbald feststellen, daß sie weit mehr Fotografien der Autoren und ihrer Ideale sind als Freilegung einer undeutlich gewordenen Ikone. Insofern ist inzwischen zwar Mißtrauen gegenüber diesen Jesus-Bildern gewachsen, aber die Figur Jesu selbst hat sich nur um so weiter von uns entfernt. Als gemeinsames Ergebnis all dieser Versuche ist der Eindruck zurückgeblieben, daß wir jedenfalls wenig Sicheres über Jesus wissen und daß der Glaube an seine Gottheit erst nachträglich sein Bild geformt habe. Dieser Eindruck ist inzwischen weit ins allgemeine Bewußtsein der Christenheit vorgedrungen. Eine solche Situation ist dramatisch für den Glauben, weil sein eigentlicher Bezugspunkt unsicher wird: Die innere Freundschaft mit Jesus, auf die doch alles ankommt, droht ins Leere zu greifen." (S.10)
...um anschliessend die rechte Zuordnung vorzunehmen...:
Josef Ratzinger Benedikt XVI. hat geschrieben:... Es (Anm.: mein Buch) sieht Jesus von seiner Gemeinschaft mit dem Vater her, die die eigentliche Mitte seiner Persönlichkeit ist, ohne die man
nichts verstehen kann und von der her er uns auch heute gegenwärtig wird." (S.12)
...
„Da gilt zunächst, dass die historische Methode – gerade vom inneren Wesen der Theologie und des Glaubens her – eine unverzichtbare Dimension der exegetischen Arbeit ist und bleibt." (S.14)
... und um schliesslich den durch die HKM in Auflösung befindlichen Begriff "Geschichte" wieder "substantiell" im wahrsten Sinn werden zu lassen:
Josef Ratzinger Benedikt XVI. hat geschrieben:" ...für den biblischen Glauben ist es wesentlich, dass er sich auf wirklich historisches Geschehen bezieht. Er erzählt nicht Geschichte als Symbole über geschichtliche Wahrheiten, sondern er gründet auf Geschichte, die sich auf dem Boden dieser Erde zugetragen hat. ..." (S. 14)
(Quelle aller o.g. Zitate: Benedikt XVI, "Jesus von Nazareth", Vorwort)