Nassos hat geschrieben:
Ich bohre jetzt mal nach: warum war das NC an sich der RKK nicht ausreichend? Es steht explizit drin, wie der Sohn zum Vater steht, was dessen Göttlichkeit angeht.
Welchen Unterschied genau macht dann das filioque? Ich erkläre diese Frage mal genauer: wäre ich Arianer, und würde die Göttlichkeit des Sohnes vehement abstreiten, dann würde mich das filioque nicht ein Quentchen beeindrucken.
Nachdem Robert jetzt eigentlich
das wesentliche gesagt hat, hier nur noch ein paar Randbemerkungen zu Deinem Nachbohren.
Ich denke, Du traust Dir und mir da etwas zu viel zu. Ich glaube nicht, daß wir uns heute in die Haut eines Arianers des 6. Jh. in Spanien versetzen können - und in die Haut eines gegen ihn auftretenden rechtgläubigen Bischofs ebenfalls nicht. Vielleicht ging es aber auch gar nicht um die (wenigen) in der Wolle gefärbten eingewanderten Arianer, sondern um die in Hispanien seit Jahrhunderten rechtgläubige autochthone Christenheit.
Ein Blick in das Geschichtsbuch läßt vermuten, daß der Charme der Formel des "Filioque" darin bestand, daß sie (mit welcher Psychologie auch immer)
funktionierte: Der Übergang der in Hispanien herrschenden arianischen Westgoten zur Einen Kirche verlief relativ reibungslos. Ein zweiter Blick zeigt, daß Konstantinopel an den hispanischen Entwicklungen durchaus nicht unbeteiligt war: Während in Rom und Italien im 6. und 7. Jh. alles drunter und drüber ging, stand der hispanische Süden weitgehend unter politischer Kontrolle der Byzantiner und enthielt große Oasen relativer Ruhe. Kirchlich war er freilich stark lateinisch geprägt - aber keinesfalls ausschließlich, denn der mozarabische Ritus enthält mehr östliche Elemente als der römische. (Zumindest als spätere Formen der römischen Liturgie, die ihrerseits stark von Afrika her beeinflußt wurden).
Aber das sind alles Randbemerkungen. Entscheidend ist die von Robert jetzt auch noch mit Hinweisen auf östliche Väter untermauerte Tatsache, daß das Filioque nicht aus theologischen, sondern aus politischen Gründen kirchentrennend überdeterminiert wurde - Jahrhunderte nach seinem Aufkommen und auf beiden Seiten. Wer sich heute daran festkrallt, hat keine starke Position.