Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

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taddeo
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von taddeo » Montag 22. Februar 2010, 19:15

Peregrin hat geschrieben:
civilisation hat geschrieben: Um was es hier u.a. auch geht???
Wenn der Büffel wankt, beginnen die Aasgeier zu kreisen.
Stammt der Spruch vom Pygmäen oder vom Großwildjäger? Klingt jedenfalls sehr nach alter afrikanischer Buschweisheit ... ;D

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Joseph
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Joseph » Montag 22. Februar 2010, 19:16

Raphael hat geschrieben: Hier siehst Du nicht nur Abgründe, sondern auch die Erwanderung von Höhen! :kussmund:
Raphael, ich sehe vieles erreicht die minimale "Höhe" nur mit Unterstützung von viel "hot air" in einem Heißluftballon.... von wegen "Erwandern" :)
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Raphael
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Raphael » Montag 22. Februar 2010, 19:22

Joseph hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben: Hier siehst Du nicht nur Abgründe, sondern auch die Erwanderung von Höhen! :kussmund:
Raphael, ich sehe vieles erreicht die minimale "Höhe" nur mit Unterstützung von viel "hot air" in einem Heißluftballon.... von wegen "Erwandern" :)
Die Kröte pupst den Adler an,
weil sie selbst nicht fliegen kann.
Der Adler aber hoch in Lüften
riecht nichts von den nied'ren Düften.

:narr:

P.S. Quelle bekannt, aber nicht genannt! :pfeif:
Wenn der Humanismus den Menschen an die erste Stelle setzt,
dann ist der Anti-Humanismus eine gerechtfertigte Ideologie!

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Joseph
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Joseph » Montag 22. Februar 2010, 19:34

Lupus hat geschrieben: Mich beschämt das Verhalten von manchen Mitbrüdern, aber wie weit muss es noch kommen, bis wir Priester uns überhaupt nicht mehr öffentlich zeigen oder gar verteidigen können?

+L.
Lupus, sich nicht verschrecken lassen, sich in der Öffentlichkeit als Priester sichtbar machen, Du wirst viele auf Deiner Seite sehen....
Ja viele werden Dich auch angreifen.... aber sich verstecken wegen ein paar faulen Äpfeln, NEIN.

Unsere Priester tragen grundsätzliche ihren Cassock in der Öffentlichkeit, erhalten manchmal schiefe Blicke, hören dumme Worte, aber lassen sich nicht verdrießen.... Unser Priester wurde einmal am Airport von einem Unbekannten angegangen: "Are you an Orthodox Priest?" "Yes" "Can you tell me where I can find a good Greek restaurant in Vancouver?"
Ein anderer unserer Priester, in Cassock mit Kreuz auf der Brust, wurde down town von zwei US Amerikanerinnen gefragt: "What are you, a Hippie?" (Er hat langes Haar und nen Bart) "No I am an Orthodox Priest" "Oh can we take a picture together with you" "Why?" "We want to show it to our orthodox Jewish friends in Florida"....

Gruß
Joseph
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Joseph
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Joseph » Montag 22. Februar 2010, 19:40

Raphael hat geschrieben: P.S. Quelle bekannt, aber nicht genannt! :pfeif:
Bild
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Raphael » Montag 22. Februar 2010, 19:48

Joseph hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben: P.S. Quelle bekannt, aber nicht genannt! :pfeif:
Bild
Es geht noch weiter: :doktor:
Der Adler, vom Gestank gestört
war krötenwärts zu Recht empört
und hat dem Vieh, wie alle wissen
von oben auf den Kopf geschissen.


Es war ein Adler und nicht die Taube! ;D
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Joseph
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Joseph » Montag 22. Februar 2010, 20:12

Raphael hat geschrieben: Der Adler, vom Gestank gestört
war krötenwärts zu Recht empört
und hat dem Vieh, wie alle wissen
von oben auf den Kopf geschissen.

Es war ein Adler und nicht die Taube! ;D
Ringelnatz? Oder Wilhelm Busch?
PS: Sorry, but I am out of shitting eagles. Shitting Eagle is at a pow wow....
Zuletzt geändert von Joseph am Montag 22. Februar 2010, 20:15, insgesamt 1-mal geändert.
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cantus planus
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von cantus planus » Montag 22. Februar 2010, 20:15

Ich würde eher auf Ringelnatz tippen.
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Raphael
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Raphael » Montag 22. Februar 2010, 20:24

Joseph hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben: Der Adler, vom Gestank gestört
war krötenwärts zu Recht empört
und hat dem Vieh, wie alle wissen
von oben auf den Kopf geschissen.

Es war ein Adler und nicht die Taube! ;D
Ringelnatz? Oder Wilhelm Busch?
PS: Sorry, but I am out of shitting eagles. Shitting Eagle is at a pow wow....
Des Dramas dritter Teil:
Die Kröte machte sich nichts draus
kroch fröhlich aus dem Haufen raus
und sprang mit großen BrimBramBum
hinein ins Refektorium.

Dort ist das Pupen wohlgelitten.
Die Kröte ließ sich nicht lang bitten
und hat - ich sag es sch(m)erzversunken
das ganze Forum eingestunken.

:narr:
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Ewald Mrnka
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Ewald Mrnka » Montag 22. Februar 2010, 20:25

Raphael hat geschrieben:
ifugao hat geschrieben:Allerdings hatten wir nie Goethe im Unterricht, er war zu verrucht.
Auch wenn's von den Verantwortlichen einer von Nonnen geführten Schule kommt: Das ist grober Unfug!

Um die deutsche Seele zu verstehen, muß man bspw. den Faust gelesen haben. Es ist nun 'mal ein unwiderrufliches Privileg der Dichter theologische und philosophische Problemstellungen sprachlich so zu komprimieren, daß sie eingängig und verständlich werden. Im Faust ist es bspw. hervorragend gelungen, die deutsche Seelenzustände wiederzugeben.
Die schlußendliche Lösung mag nicht der christlichen Lehre entsprechen, eine Beschreibung der Fakten ist nichtsdestoweniger erhellend.
:klatsch: :klatsch: :klatsch:

Faust gehört zu den fünf Büchern, die man im Leben (mindestens einmal) gelesen haben muß.
Wer die wirklichen Herrschenden identifizieren will, braucht sich nur zwei Fragen zu stellen:
WEN und WAS darfst Du NICHT kritisieren?
WESSEN INTERESSEN verfolgt das System?

Kilianus
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Kilianus » Montag 22. Februar 2010, 20:34

Franziskaner-Minorit mit sofortiger Wirkung von Tätigkeit beurlaubt

Würzburg (POW) Bischof Dr. Friedhelm Hofmann hat einen Franziskaner-Minoriten aus dem Würzburger Franziskanerkloster mit sofortiger Wirkung von seiner Tätigkeit im Bereich der Diözese Würzburg beurlaubt. Der Franziskaner-Minorit wird in einem Bericht der Frankfurter Rundschau vom 20. Februar 2010 missbräuchlicher Übergriffe beschuldigt. „Wir haben heute, am 22. Februar, durch den Provinzial erfahren, dass Sie auf diesen Vorwurf schon in den 1970er Jahren durch Selbstanzeige reagiert haben und die staatsanwaltschaftliche Untersuchung zum Ergebnis kam, dass gegen Sie kein strafrechtlich relevanter Vorwurf erhoben werden könne“, schreibt Generalvikar Dr. Karl Hillenbrand an den Ordensmann. Dennoch werde der Bischof den Franziskaner-Minoriten bis zur Klärung des neuerdings in der Presse erhobenen Vorwurfs mit sofortiger Wirkung von seiner Tätigkeit im Bereich der Diözese Würzburg als Diözesankaplan der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ), als Geistlicher Begleiter der Arbeitsgemeinschaft (AG) Kirche und Sport und des Ortsverbands Würzburg der Deutschen Jugendkraft (DJK) beurlauben. „Die Schwere der Vorwürfe und die damit verbundene Verantwortung machen dies erforderlich“, schreibt der Generalvikar.

(0810/0262; E-Mail voraus)


Veröffentlicht: 22.02.2010

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cantus planus
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von cantus planus » Montag 22. Februar 2010, 20:53

Warum einschlägig bekannten Priestern dann allerdings nochmal der Kinder-, Jugend- und Sportbereich anvertraut wird, verstehe ich auch nicht. Allerdings hat der Pater damals (1970!) wohl vollkommen richtig reagiert. Peinlich ist es eher, dass die Diözese ein halbes Menschenleben später aufwacht... :pfeif:
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taddeo
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von taddeo » Montag 22. Februar 2010, 21:02

Raphael hat geschrieben:Um die deutsche Seele zu verstehen, muß man bspw. den Faust gelesen haben. Es ist nun 'mal ein unwiderrufliches Privileg der Dichter theologische und philosophische Problemstellungen sprachlich so zu komprimieren, daß sie eingängig und verständlich werden. Im Faust ist es bspw. hervorragend gelungen, die deutsche Seelenzustände wiederzugeben.
Daß man den Faust mal gelesen haben sollte (und sei es nur zur Abschreckung), da stimme ich Dir zu. Ob es sonderlich hilfreich ist, "die deutsche Seele" oder "deutsche Seelenzustände" zu studieren - und das noch mittels solcher Lektüre - wage ich allerdings zu bezweifeln. Was soll denn "die deutsche Seele" sein? Meine Seele ist katholisch, das wäre sie auch, wenn ich nicht zufällig in Deutschland geboren wäre, sondern etwa in den Ländern, in denen mein Vater früher mal gelebt hat, bevor er nach Bayern kam. Das, was ich als "deutsche Seelenzustände" bezeichnen würde, ist eher abstoßend als anziehend.

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lutherbeck
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von lutherbeck » Montag 22. Februar 2010, 21:20

Ewald Mrnka hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:
ifugao hat geschrieben:Allerdings hatten wir nie Goethe im Unterricht, er war zu verrucht.
Auch wenn's von den Verantwortlichen einer von Nonnen geführten Schule kommt: Das ist grober Unfug!

Um die deutsche Seele zu verstehen, muß man bspw. den Faust gelesen haben. Es ist nun 'mal ein unwiderrufliches Privileg der Dichter theologische und philosophische Problemstellungen sprachlich so zu komprimieren, daß sie eingängig und verständlich werden. Im Faust ist es bspw. hervorragend gelungen, die deutsche Seelenzustände wiederzugeben.
Die schlußendliche Lösung mag nicht der christlichen Lehre entsprechen, eine Beschreibung der Fakten ist nichtsdestoweniger erhellend.
:klatsch: :klatsch: :klatsch:

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Ewald - mich würden die Titel der anderen vier von Dir gemeinten Bücher interessieren!

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Peregrin » Montag 22. Februar 2010, 21:23

cantus planus hat geschrieben:Warum einschlägig bekannten Priestern dann allerdings nochmal der Kinder-, Jugend- und Sportbereich anvertraut wird, verstehe ich auch nicht. Allerdings hat der Pater damals (1970!) wohl vollkommen richtig reagiert. Peinlich ist es eher, dass die Diözese ein halbes Menschenleben später aufwacht... :pfeif:
Moment, er hat sich offenbar nach einer Beschuldigung selbst angezeigt, die Staatsanwaltschaft hat ermittelt und die Sache für haltlos befunden. Weswegen war er also "einschlägig bekannt"? Einer haltlosen Beschuldigung? Von was für einer "Schwere der Vorwürfe" redet der Bischof? Mir kommt das eher wie eine hysterische Überreaktion des Ordinariats vor.
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von julius echter » Montag 22. Februar 2010, 21:30

ich denk dass der bischof vorsicht walten lässt, denn in den vergangen jahren gab es bekanntlich die eine doer andere unangenehme geschichte
Zuletzt geändert von julius echter am Montag 22. Februar 2010, 21:38, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn » Montag 22. Februar 2010, 21:37

Genau.
Peregrin hat geschrieben:Wenn der Büffel wankt, beginnen die Aasgeier zu kreisen.
Und die Rindv--- … äh, die Büffel scheißen sich in die Hosen. :vogel:

Bloß an den richtigen Stellen, da räumen sie immer noch nicht auf.
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von ifugao » Montag 22. Februar 2010, 21:41

Weia sind hier alle aufgeregt. ;)

Cool bleiben Leute, in der Ruhe liegt die Kraft. :ja:

Im übrigen begrüße ich den Vorsatz der DBK die Leitlienien zu überarbeiten. Sie sind aus meiner Sicht schlichtweg nicht völlig korrekt.
Sie enthalten mehrfache Fehler, die man sicherlich ändern könnte.
Der Schwache kann nicht verzeihen. Verzeihen ist eine Eigenschaft des Starken.
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Linus » Montag 22. Februar 2010, 22:03

lutherbeck hat geschrieben:
Ewald Mrnka hat geschrieben:
Faust gehört zu den fünf Büchern, die man im Leben (mindestens einmal) gelesen haben muß.
Ewald - mich würden die Titel der anderen vier von Dir gemeinten Bücher interessieren!

Lutherbeck :)
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Joseph
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Joseph » Dienstag 23. Februar 2010, 00:40

Peregrin hat geschrieben:Moment, er hat sich offenbar nach einer Beschuldigung selbst angezeigt, die Staatsanwaltschaft hat ermittelt und die Sache für haltlos befunden. Weswegen war er also "einschlägig bekannt"? Einer haltlosen Beschuldigung? Von was für einer "Schwere der Vorwürfe" redet der Bischof? Mir kommt das eher wie eine hysterische Überreaktion des Ordinariats vor.
:klatsch: :klatsch: :klatsch:

Das ist genau die falsche heuchlerische Methode mit welcher hier in den 80/90 Jahren einigen Lehrern die Kariere und das Leben versaut wurden. Kinder, meisten teenage Mädchen, machten Anschuldigungen, der Lehrer wurde "stillgelegt" und obwohl sich die Anschuldigungen als unwahr herausstellten wurde er nicht mehr eingestellt. Die Mädchen wurden niemals zur Rechenschaft gezogen... Sowas nennt man Rufmord, hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun und ist meisten ein "cover your butt" der "Oberen" nachdem sie wirkliche Täter jahrelang herumgeschoben und beschützt hatten, was dann Millionen von $$$ an Gerichtsurteilen verursachte....
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Ewald Mrnka
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Ewald Mrnka » Dienstag 23. Februar 2010, 05:30

Linus hat geschrieben:
lutherbeck hat geschrieben:
Ewald Mrnka hat geschrieben:
Faust gehört zu den fünf Büchern, die man im Leben (mindestens einmal) gelesen haben muß.
Ewald - mich würden die Titel der anderen vier von Dir gemeinten Bücher interessieren!

Lutherbeck :)
Ich wette neben der Bibel sind Ernst Jünger und Ernst von Salomon auch dabei. Bleibt also nur noch ein Werk
Ganz daneben, Du hast die Wette verloren :breitgrins:
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Raphael
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Raphael » Dienstag 23. Februar 2010, 09:35

taddeo hat geschrieben:
Raphael hat geschrieben:Um die deutsche Seele zu verstehen, muß man bspw. den Faust gelesen haben. Es ist nun 'mal ein unwiderrufliches Privileg der Dichter theologische und philosophische Problemstellungen sprachlich so zu komprimieren, daß sie eingängig und verständlich werden. Im Faust ist es bspw. hervorragend gelungen, die deutschen Seelenzustände wiederzugeben.
Daß man den Faust mal gelesen haben sollte (und sei es nur zur Abschreckung), da stimme ich Dir zu. Ob es sonderlich hilfreich ist, "die deutsche Seele" oder "deutsche Seelenzustände" zu studieren - und das noch mittels solcher Lektüre - wage ich allerdings zu bezweifeln.
ich nerv mal wieder bisschen: zunächst einmal wollte ich hier den Begriff "Seele" nicht in einem strikt theologischen Sinne verwenden. Gemeint war eher das, was man auch mit Charakter oder Mentalität umschreiben kann. Und da bin ich durchaus der Ansicht, daß es so etwas wie eine "Volksseele" gibt. Das gilt übrigens auch für andere Völker, wie Russen, Franzosen, Italiener etc.

Was im Faust nun so hervorragend dargestellt ist, ist der Bund des Menschen mit dem Bösen und daher paßt dieser Topos auch so gut in diesen Thread. Der Deutsche scheint mir für diesen Bund ganz besonders anfällig zu sein. Goethe schildert im Faust, warum dies so ist und wie er sich die Lösung des Problems vorstellt, nämlich pantheistisch.
taddeo hat geschrieben:Was soll denn "die deutsche Seele" sein? Meine Seele ist katholisch,
Ein Glück für den, der das sagen kann!
taddeo hat geschrieben: das wäre sie auch, wenn ich nicht zufällig in Deutschland geboren wäre, sondern etwa in den Ländern, in denen mein Vater früher mal gelebt hat, bevor er nach Bayern kam. Das, was ich als "deutsche Seelenzustände" bezeichnen würde, ist eher abstoßend als anziehend.
DER deutsche Seelenzustand ist der der Zerrissenheit und der tiefgründigen Grübelei und in der Folge davon, die schon geschilderte Affinität zum Bösen.
Sehr gut zu sehen auch bei Hegel, der sich philosophisch immerhin zur Synthese aufschwingt, oder bei Nietzsche, der konsequent Gott bekämpft, bis dieser tot ist; zumindest in den Augen Nietzsches. :/
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von taddeo » Dienstag 23. Februar 2010, 09:54

Raphael hat geschrieben:DER deutsche Seelenzustand ist der der Zerrissenheit und der tiefgründigen Grübelei und in der Folge davon, die schon geschilderte Affinität zum Bösen.
Danke für Deine Erläuterungen, jetzt ist mir etwas klarer geworden, was Du meinst.

Ich persönlich würde allerdings "den deutschen Seelenzustand" nach Deiner Definition eher als den unguten Hang zur pedantischen Prinzipienreiterei beschreiben. Ein Musterbeispiel dafür ist etwa unsere Steuergesetzgebung. Gleichzeitig bewirkt diese Pedanterie auch ihr Gegenteil, nämlich den Hang zum Umgehen der Regeln mit allen legalen und illegalen Tricks. Aber das ist letztlich nur eine (verständliche) Reaktion auf die altrömische Feststellung "summum ius, summa iniuria".

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von HeGe » Dienstag 23. Februar 2010, 11:05

Als ich gestern den ProSieben-Videotext einschaltete sprang mir als erstes eine Umfrage zu folgendem Thema ins Auge: "Soll der Zölibat verboten werden?" :vogel:

Die Verfolgung ist voll im Gange. :traurigtaps:
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Bernado » Dienstag 23. Februar 2010, 11:11

HeGe hat geschrieben:Als ich gestern den ProSieben-Videotext einschaltete sprang mir als erstes eine Umfrage zu folgendem Thema ins Auge: "Soll der Zölibat verboten werden?" :vogel:

Die Verfolgung ist voll im Gange. :traurigtaps:
Die fanzösische Revolution hatte das auch - Priester und Nonnen wurden zwangsverheiratet. man kann sich also auf aufgeklärteste Vorbilder berufen.
„DIE SORGE DER PÄPSTE ist es bis zur heutigen Zeit stets gewesen, dass die Kirche Christi der Göttlichen Majestät einen würdigen Kult darbringt.“ Summorum Pontificum 2007 (http://www.summorum-pontificum.de/)

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von ifugao » Dienstag 23. Februar 2010, 11:22

Bernado hat geschrieben:
HeGe hat geschrieben:Als ich gestern den ProSieben-Videotext einschaltete sprang mir als erstes eine Umfrage zu folgendem Thema ins Auge: "Soll der Zölibat verboten werden?" :vogel:

Die Verfolgung ist voll im Gange. :traurigtaps:
Die fanzösische Revolution hatte das auch - Priester und Nonnen wurden zwangsverheiratet. man kann sich also auf aufgeklärteste Vorbilder berufen.
Das Problem scheint nicht neu zu sein.

http://www.spiegel.de/panorama/,1518,123626,.html
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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von mtoto » Dienstag 23. Februar 2010, 12:00

Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Erst einmal dies: Ich kenne auch Mißbrauchs„fälle“, und zwar sehr persönlich. Ich nenne zwei Beispiele unterschiedlicher Art: einmal fortgesetzter Mißbrauch eines pubertierenden Mädchens durch den eigenen Vater, der andere Fall ein unverheiratet schwanger gewordenes junges Mädchen, das von der Mutter zur Abtreibung gezwungen wird. Beides „Fälle“ mit schlimmen Auswirkungen fürs ganze Leben der Opfer und schwerer Belastung der ganzen Familien. Kirchliche Implikationen bestehen auch nicht entfernt, die Taten liegen Jahrzehnte zurück, die Täter sind verstorben.

Mehr sage ich dazu nicht, aber du kannst mir glauben, daß ich keineswegs nicht an die Opfer dächte, ganz im Gegenteil. Es gibt aber auch Opfer auf der andern Seite: solche nämlich, die unschuldig verdächtigt und geächtet werden. Und immer, wenn echte oder vermeintliche Täter kirchliche Personen sind, ist ein Opfer auch die Kirche, auf die die kirchenhassende Journaille dann blind eindrischt.
Hallo Robert,
komme erst jetzt dazu deinem ausführlichen Posting zu antworten.
Ich versuche die Situation auch von allen Seiten zu betrachten und dass es durchaus auch falsche Beschuldigungen gibt, ist eigentlich logisch. Denn es gibt auf jeder Seite Menschen, die keine Ahnung haben oder haben wollen, was sie anrichten. Falsche Beschuldigungen sind genauso ätzend, zum Einen schadet es dem vermeintlichen Täter sehr massiv, und zum Anderen wird den echten Opfern noch weniger geglaubt, mit allen dazu gehörigen Folgen.
Das der Kirche ebenfalls ein Schaden entsteht, egal ob es wirklich sich um Missbrauch handelte oder falsche Beschuldigungen, stelle ich nicht in Abrede. Und das ist auch etwas, was mir weh tut. Aber wegen eines kirchenfeindlichen Journalismus sich nicht offen diesem Thema als Kirche zu stellen, ist ein falscher Weg. Denn der ehrliche Umgang wird auf lange Sicht, der bessere sein.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Dies erst mal zum Hintergrund. Wenn du in den Tiefen des Kreuzgangs suchst, wirst du Fälle finden, wo ich sehr konsequent scharfes Vorgehen gegen klar überführte Täter verlange und unmißverständlich die Versäumnisse kirchlicher Oberer anprangere, ja teils deren Mittäterschaft. Du wirst aber auch andere finden, in denen ich mich sehr zurückhaltend äußere und vor voreiligen Urteilen warne.

Es kommt immer auf den Einzelfall an, auf die Wahrheit, auf die Fakten. – Oben habe ich den „Fall“ des Berliner Pfarrers Peter Wistuba angesprochen. Er hatte vor einer guten Woche in einer öffentlichen Stellungnahme zu den Beschuldigungen erklärt, ihm seien seitens des bischöflichen Ordinariats bisher keine Fakten genannt worden, außer daß sich im Jahr 2001 eine anonym bleibende Person belästigt gefühlt habe von einem »sexuellen Klima«, das er verbreitet habe.

Inzwischen hat – letzten Sonntag – der Pressesprecher des Ordinariats darauf geantwortet. Klopft man die wortreiche Erwiderung auf Substanz ab, so ergibt sich:
  1. Es wird nicht Wistubas Einlassung widersprochen, daß die vorgeworfene „Verfehlung“ in der Verbreitung eines „sexuellen Klimas“ bestanden habe. Insbesondere wird nicht eingewandt, daß womöglich schwererwiegende Vorwürfe im Raum stehen könnten.
  2. Gegen Wistubas Erklärung, die ihn beschuldigende Person sei anonym, wird eingewandt, die Personen (also anscheinend mehrere), die die Vorwürfe erhoben hätten, seien keine anonymen Personen, hätten aber Diskretion erbeten. Also keine anonyme Anzeige, aber für Pfr. Wistuba bleiben sie vorerst anonym, bis man ihm die Namen im bevorstehenden Hauptverfahren aus prozeßrechtlichen Gründen nicht mehr verschweigen darf.
  3. Seitens des Ordinariats wird festgestellt, Pfr. Wistuba werde von mehreren Personen beschuldigt, während dieser nur von einer (ihm nicht benannten) Person sprach. Auch redet die Erwiderung des Ordinariats in der Mehrzahl von „vorgeworfenen Verfehlungen“ Wistubas. Hier wird der Eindruck zu erwecken versucht, es handle sich um eine Mehrzahl dem Wistuba vorgeworfener Taten. Das bleibt jedoch so schwammig, daß Zweifel angebracht sind. „Mehrere Personen“ können auch zum Beispiel ein Jugendlicher und seine Eltern oder ein Zeuge sein. Ebenso sind „Verfehlungen“ so unbestimmt, daß sie sich ohne weiteres auf einen einzigen Fall beziehen können. Handelte es sich dagegen wirklich von Anfang an um mehrere voneinander unabhängige Taten Wistubas, hätte man diesem klar widersprechen können, anstatt bloß en passant aus einer beschuldigenden Person mehrere zu machen. Mit andern Worten, es drängt sich der Verdacht auf, man wolle Wistuba durch geschickte Formulierungen möglichst schlecht dastehen lassen.
  4. Die Erwiderung des Ordinariats behauptet ferner, Wistuba habe über die „vorgeworfenen Verfehlungen“ hinaus „dem Bistum unbekannte Tatbestände und Namen“ benannt. – Waren das auch „Verfehlungen“? – Das wird suggeriert durch die Parallelisierung mit den „vorgeworfenen Verfehlungen“ sowie durch einen etwas merkwürdigen Hinweis, Wistuba habe „in diesem Zusammenhang … in der Vernehmung diejenigen“, die es betreffe, „um Entschuldigung“ gebeten. Diese „Betroffenen“ können nun freilich gar nicht anwesend gewesen sein, und daß die „unbekannten Tatbestände“ „Verfehlungen“ seien, wird tatsächlich nicht ausgesprochen. – Man ist hier leider aufs Spekulieren angewiesen. Versuche ich mich in die Vernehmungssituation zu versetzen, dann erscheint mir folgendes plausibel: Man wird Wistuba etwas nebulös mit den ihm anonym bleibenden Beschuldigungen konfrontiert und gefragt haben, was er dazu sage. Er wird überlegt haben, welche – ihm vermutlich harmlos erscheinende – Situation von einem Beteiligten im Sinn der Beschuldigung interpretiert worden sein könnte, und wird dann das eine oder andere Beispiel genannt und gefragt haben, ob das gemeint sei. Das hat man dann schnell aufgeschrieben und als weiteres „Geständnis“ gewertet. – Wie gesagt, ich spekuliere, aber anders kann ich mir die unterschiedlichen Erklärungen nicht sinnvoll zusammenreimen.
Ob Pfr. Wistubas Verhalten seine Entfernung aus der Pfarrei rechtfertigt, weiß ich nicht. Ausschließen kann ich das aufgrund der vorliegenden Informationen und dessen, was ich mir zusammenreimen muß, auch nicht. Man hat seitens des Ordinariats im Sog der Canisius-Affaire aber geradezu den Eindruck erweckt, es handle sich bei Pfr. Wistuba um einen Kinderschänder. In Wahrheit liegt aber nichts vor, was auch nur entfernt nach weltlichem Strafrecht relevant sein könnte. Das Agieren des Ordinariats ist darum völlig unverantwortlich. Statt die Dinge aber nun wenigstens klarzustellen, versucht man sich irgendwie aus der Affaire zu ziehen, indem man Wistuba wenigstens noch in möglichst schlechtem Licht präsentiert. So wenigstens stellt sich mir die Sachlage dar. (Sollte es doch gravierender sein, als ich vermute, dann wäre es noch schlimmer. Dann wäre das Herumeiern der Offiziellen eine reine Katastrophe. Dafür sehe ich aber keine Anzeichen.)[/color]
Ja, es ist richtig nicht pauschal zu urteilen. Und der von Dir beschriebene Fall ist sehr nebulös, denn der Begriff "sexuelles Klima" ist nicht definierbar und fördert Vermutungen und keine Fakten. Und Vorwürfe zu denen jemand Stellung nehmen soll, müssen konkret sein und ein Herumgeeier zeugt nicht von Kompetenz und ist kritisch zu hinterfragen.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
So viel zu diesem „Fall“. – In Sachen Canisius-Kolleg hat Bernado oben schon genug gesagt, was die Fakten angeht. Die Vorfälle sind gravierender, aber auch weit entfernt von Kinderschändung. Wären sie aktuell, wären die beschuldigten Patres selbstverständlich sofort und dauerhaft aus dem Schuldienst zu entfernen. Dies ist in der Vergangenheit, als die Vorgänge sich ereigeneten, zwar geschehen, aber augenscheinlich viel zu spät, zögerlich und allzu lange inkonsequent. Das ist durchaus zu kritisieren.

Ich gebe zu, daß es mir schwerfällt, bei den betroffenen Schülern von damals von „Opfern“ zu reden. Aber ich will einräumen, daß labile Personen auch von einem Grapscher oder Fummler oder einem, der ihnen den Hintern versohlt, gewisse Schädigungen davontragen mögen, bleibende neurotische Störungen oder was weiß ich. Das laut tönende Rundschreiben des heutigen Schulleiters P. Mertes SJ, das einen Abgrund an Kinderschändung an die Wand malte und vom furchtbarsten Leiden der armen Opfer schwafelte, hat doch aber jedenfalls maßlos überzogen.
Da ist der Punkt, wo sich unsere Ansichten sehr unterscheiden.
Zum einen der Begriff des Opfers. Ich trenne den Begriff des Opfers von den Folgen. So kann auch durchaus jemand Opfer von irgendwas sein, ohne dass die Folgen für ihn nennenswert sind. Es gibt "Opfer" mit massiven Folgen, z.B. Todesopfer des Erdbebens in Haiti. Aber auch "Opfer" eines Diebstahls, wenn ihm ein kleinerer Geldbetrag gestohlen wird. Auch wenn das "Opfer" Multimillionär ist.
Das andere ist deine Begrifflichkeit von Missbrauch und Akzeptanz möglicher Folgen.
Ich habe vorher schon geschrieben, dass es durchaus unterschiedliche Varianten von Missbrauch gibt und es besser ist zu differenzieren, zwischen schwerem Missbrauch, über sexuelle Übergriffe bis hin vielleicht zur sexuellen Belästigung. Der Bereich von "Befummeln" fällt für mich unter den Bereich sexueller Übergriff, in leichter Form vielleicht auch "nur" zur Belästigung. Auch um dem Kind, das vergewaltigt wurde, den Begriff "schwerer Missbrauch" zu reservieren. Die Folgen eines Missbrauchs hängen von seinem Schweregrad, der Dauer, dem Alter und der Konstitution des Opfers und auch dem Umfeld ab. Und ja, auch Befummeln kann schwere Folgen haben, dann wenn das Kind zum Beispiel relativ klein ist und sich gerade in einem kritischem Moment der Hirnverdrahtung in bezug auf Sexualität befindet. Mir ist da ein sehr persönliches Beispiel vor Augen. Aber das gehört nicht näher in die Öffentlichkeit außer noch der Tatsache, dass es sich beim Täter um einen verheirateten Bekannten der Familie handelte.
Robert Ketelhohn hat geschrieben:
Dies wäre schon zu kritisieren, wenn es P. Mertes tatsächlich um die betroffenen Schüler gegangen wäre. Ihm geht es aber offenbar um anderes. Seit dem ersten Paukenschlag legt er nämlich immer wieder verbal nach, und zwar um die Kirche als solche zu beschuldigen und anzugreifen. Nicht etwa bloß, weil man damals nicht konsequent genug gegen die beiden der Übergriffe schuldigen Patres vorgegangen war, sondern weil er absurderweise die Morallehre der Kirche und den priesterlichen Zölibat als Schuldige bezichtigt. Das ist nicht nur absurd, das ist schändlich. Aber nichts anderes kann von Anfang an sein Plan und seine Absicht bei der ganzen Aktion gewesen sein. Und alle Unberufenen springen auf den Zug auf und hetzen fleißig mit gegen die Kirche – wie weiland Joseph Goebbels mit den nazistischen Sittlichkeitsprozessen gegen Ordensleute.

Nicht wenige Ordinariate in Deutschland (und was unter denen so Bischof ist) gehen dieser Masche auf den Leim – oder sind selber aktiv dabei. Dagegen müssen wir angehen – und zugleich verlangen, daß sie endlich gegen die wirklichen Sittenstrolche im Priesterrock vorgehen und die Nester ausräuchern, die es in einigen Diözesen noch gibt.
Nun soweit mir bekannt ist, hat Pater Mertes sich zunächst in einem Brief an seine ehemaligen Schüler gewendet und nicht an die Bildzeitung geschrieben.
Und für mich ist nicht der Zölibat, der Grund für Missbrauch. Nein, definitiv nicht.

Mal soweit fürs erste.

LG mtoto

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von mtoto » Dienstag 23. Februar 2010, 12:12

Lupus hat geschrieben:Ich werde wohl in diesem Thread in Zukunft nur noch gelegentlich mitlesen.
Obwohl ich nicht betroffen bin, habe ich bereits schlaflose Nächte und fürchte Depressionen, wegen der ständigen gerechtfertigten, aber gelegentlich auch sehr verallgemeinernden Diskussionsbeiträge hier.

Mich beschämt das Verhalten von manchen Mitbrüdern, aber wie weit muss es noch kommen, bis wir Priester uns überhaupt nicht mehr öffentlich zeigen oder gar verteidigen können?

+L.
Hallo Lupus,
falls Du Dich auch auf meine Beiträge beziehst, möchte ich Dir sagen, dass ich gewiss nicht verallgemeinern möchte. Mir war hier streckenweise der Eindruck entstanden, als wenn die Realität geleugnet wurde, dass es auch verfehlte Menschen innerhalb von Kirche gibt.
Damit steht aber niemand bei mir unter Generalverdacht. Im Gegenteil ich hoffe und glaube weiter, dass es ehrliche und gläubige Priester gibt. Und ich kenne auch derer um ein Vielfaches mehr, als die Zahl derer, die in dieses Thema verwickelt sind.

LG mtoto

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von Robert Ketelhohn » Dienstag 23. Februar 2010, 13:18

mtoto hat geschrieben:Nun soweit mir bekannt ist, hat Pater Mertes sich zunächst in einem Brief an seine ehemaligen Schüler gewendet und nicht an die Bildzeitung geschrieben.
Ich glaube, die Beurteilung der Aktionen des Paters Mertes ist der einzige substanzielle Differenzpunkt zwischen uns, von graduellen Variationen mal abgesehen. – Wenn man einen Brief an sechshundert Ehemalige schreibt, und noch dazu zu diesem Thema, dann ist das so gut, als schriebe man gleich mit Durchschlag an die Bildzeitung. Das weiß auch Mertes. – Zweitens, Mertes will den Opfern, die sich ihm mitgeteilt hatten, absolute Diskretion zugesichert haben. Und dann ein solches Rundschreiben? – Wobei angesichts der starken Worte von Mertes jeder davon ausgehen mußte, daß es sich um Delikte solcher Schwere handele, daß sie jedenfalls Offizialdelikte darstellten, so daß die Staatsanwaltschaft sich auf jeden Fall einschalten mußte und P. Mertes ebenso sicher dem Staatsanwalt alle Namen und Fakten nennen mußte, um nicht der Strafvereitelung verdächtig zu werden: Das ist „Diskretion“? – Ferner, handelt es sich um nicht verjährte Offizialdelikte, dann ist einer, der – wie Mertes – davon Kenntnis erhält, verpflichtet, sie von sich aus bei den Strafverfolgungsbehörden zur Anzeige zu bringen. Das weiß Mertes auch – und war von vornherein auf der sicheren Seite, weil er wußte, daß die Delikte jedenfalls nicht so gravierend waren, daß sie nicht verjährt wären. Ihm konnte also nichts passieren, er hat aber dennoch so herumgetönt, daß ein anderer Eindruck in der Öffentlichkeit entstehen mußte und daß die Staatsanwaltschaft die Vorfälle prüfen mußte. „Absolute Diskretion“ à la Mertes. (Hätte er besser bei seinem Vater lernen sollen: Das Opus Dei versteht Diskretion anders.)

Soviel zum Thema Heuchelei. – Cui bono? Welchem Zweck dient das ganze? – Man lese noch mal nach, welche Remedien Mertes empfiehlt. Im wesentlichen sind das neben der Aufhebung des Priesterzölibats: Aufgabe der „kirchlichen Sexualmoral“, positives Verständnis sodomitischer Sexualität bis hin zur Sodomiten-„Ehe“, Bekenntnis der Kirche zur frühkindlichen Sexualisierung der Kinder, Gewöhnung an Sexualperversionen und Verhütungsdenken.

So läuft das im Unterricht der Jesuitenschule natürlich jetzt schon. Ob man allein dazu, die offizielle Kirchendoktrin daran anzupassen, solches Geschrei inszenieren wird, scheint mir eher zweifelhaft – zumal jeder, der bei Sinnen ist, ohnehin weiß, daß es eine solche Änderung der Lehre mit Rom (und vielen andern Ortskirchen) nicht geben kann und wird. Es kann also letztlich nur um eine (mindestens faktische) Abspaltung einer sittlich und überhaupt zeitgeistreitenden „deutschen Nationalkirche“ gehen, die sich um die kirchliche Lehre in den Dingen des Glaubens und der Sitten nicht schert.

Natürlich würde Mertes dies – was nach meiner Überzeugung tatsächlich seine Absicht ist – nicht einmal sich selbst gegenüber so formulieren, wie ich es eben getan habe. Er wird sich ungefähr sagen: Wir müssen die Gelegenheit nutzen, jetzt das durchzusetzen, was nötig ist, die Kirche der gesellschaftlichen Realität anzupassen, Rom hin oder her, und die paar Ewiggestrigen hinausbefördern ins Sektendasein.

Darum geht es Mertes & Co. Wer’s nicht glauben will, wird’s früher oder später empfindlich erfahren.
Propter Sion non tacebo, | ſed ruinas Romę flebo, | quouſque juſtitia
rurſus nobis oriatur | et ut lampas accendatur | juſtus in eccleſia.

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von civilisation » Dienstag 23. Februar 2010, 15:45

Das hätte ich von EB Zollitsch nicht gedacht.

Zollitsch setzt Leutheusser-Schnarrenberg 24-Stunden-Ultimatum
http://www.kath.net/detail.php?id=25725

daraus
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) falsche Tatsachenbehauptungen vorgeworfen. Zugleich stellte er der Ministerin ein Ultimatum, ihre Interviewäußerungen von Montagabend zum kirchlichen Missbrauchsskandal innerhalb von 24 Stunden zu korrigieren.
...
Zollitsch wandte sich auch gegen das Tagesthemen-Interview der Ministerin, weil diese darin suggeriere, dass die bundesweit 12 bekannt gewordenen Fälle alle erst vor kurzem passiert seien. «Die meisten Vorfälle liegen lange zurück. Ich wundere mich, dass die Ministerin so emotional und undifferenziert Stellung nimmt. Das grenzt an eine Verdrehung der Tatsachen», sagte der Bischofskonferenzvorsitzende.

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Re: Mißbrauchsvorwürfe gegen Priester

Beitrag von cantus planus » Dienstag 23. Februar 2010, 15:50

Der Mann hat also doch Eier inner Hose! :auweia:

:klatsch: :klatschhops: :klatsch: :klatschhops: :klatsch:
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‎Tradition ist das Leben des Heiligen Geistes in der Kirche. — Vladimir Lossky

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