Achten auf sich selbst
Wir dürfen uns selbst nicht viel trauen, da es uns oft an der Gnade gebricht und an der rechten Einsicht. Nur ein mattes Licht brennt in uns, und dieses winzige Licht brinen wir noch durch unsere Nachlässigkeit schnell zum Erlöschen. Oft nehmen wir es gar nicht einmal wahr, daß wir innerlich so blind sind. Oft handeln wir schlecht, und, was noch schlimmer, wir entschuldigen uns. Zuweilen treibt uns die Leidenschaft, und wir halten es für Eifer. Wir tadeln geringe Fehler an anderen, und über unsere eigenen größeren Fehler gehen wir hinweg. Sehr schnell empfinden wir, was andere uns zu ertragen geben, und legen es auf die Waage, was aber andere von uns hinzunehmen haben, das beachten wir nicht. Wer sein eigenes Verhalten recht und gut abwägt, hat keine Ursache, über andere hart zu urteilen.
(In der Reclam-Ausgabe steht es in zweites Buch, Nr. 5, Hervorhebung von mir)
>>Oft handeln wir schlecht, und, was noch schlimmer, wir entschuldigen uns.<<
Was ist an Entschuldigungen so schlecht? Oder ist nur das "vor Gott Ausflüchte suchen" gemeint?