Zunächst: Wieso schreibst Du 'innerkirchlich', wenn Du dann mit der säkularen Gesellschaft und Atheismus argumentierst?Evagrios Pontikos hat geschrieben: Aber auch innerkirchlich im Blick auf England/Großbbritannien: Es ist alarmierend, dass Großbritannien inzwischen wohl wahrscheinlich das neuheidnischste Land Europas geworden ist. Der Papst hat das bei seinem Besuch in England vor kurzem heftig beklagt. Gestern sah ich einen Fernsehbeitrag, dass in Großbritannien das Druidentum seit 2010 staatlich anerkannte, steuerbefreite Religion geworden sei. Da tippen Kontinentaleuropäer sich an den Kopf. Aber auf der Insel ist es möglich. Desweiteren: Richard Dawkins, Stephen Hawking und andere weltweit führende missionarische Gottesleugner sind Briten. Der Katholik Newman verteidigte die anglikanische Kirche 1850 noch als "Bollwerk gegen den Unglauben" in England, das durch die Freikirchen und die katholische Kirche nicht ersetzt werden könne. Deshalb widersprach er jenen sehr heftig, die den Untergang der anglikanischen Kirche herbeiwünschten. Was ist aus diesem Bollwerk geworden?
Natürlich ist das Christentum in England auf dem Rückzug, wenn man es gesamtgesellschaftlich betrachtet. Und das betrifft alle Kirchen gleichermaßen, die römisch-katholische Kirche bildet da überhaupt keine Ausnahme. Die Unterschiede zu anderen westlichen und europäischen Nationen sind dabei marginal - und das bezieht sich leider auch auf katholische Länder. Die Kohäsionskraft des Katholizismus mag sich in Ländern wie Spanien oder Italien äußerlich als etwas resistenter erweisen, aber das ist weitgehend Kosmetik, im Kern sieht es da nicht anders aus. Für Griechenland gilt das Gleiche, trotz der orthodoxen Kirche. Ein anderes Beispiel ist Polen - bis vor Kurzem eines der katholischsten Länder Europas. Jetzt bricht die Jugend der Kirche weg.
Diese gesellschaftliche Krise des christlichen Glaubens in England trifft alle Kirchen - unterschiedlich stark im Detail, jedoch nicht in der Tendenz. Wenn man hier von 'Auflösung' sprechen will, muß man dies auf alle Kirchen beziehen - so schmerzlich das auch ist.
(PS Bemerkenswert ist dabei, daß die Verlustentwicklung der katholischen Kirche in den letzten zwei Jahrzehnten stärker war als bei den Anglikanern, zudem hat die katholische Kirche mit extremen Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Grade hat man 56 Eintritte in die Priesterseminar als neuen Höchststand gemeldet. Zum Vergleich: Die Church of England hat pro ja ca. 450 bis 500 Neuweihen.)