Stephen Dedalus hat geschrieben:Gallus hat geschrieben:[
Tja, weitermachen als wäre nix gewesen scheint das Motto zu sein. Man weiß jetzt nicht, ob das Dummheit (ehrliches Unverständnis der Papst-Ansprachen) oder Frechheit ist.
Warum das? Kannst Du einen einzigen handfesten Grund nennen, warum nicht alle so weitermachen sollten wie bisher? Außer ein paar warmen Worten hat der Papst doch nichts, aber auch überhaupt nichts eindeutig Klärendes zu den in Deutschland schwelenden Konflikten verlauten lassen.
Doch, ich fand's sehr klar. In der Rede im Freiburger Konzerthaus hat der Heilige Vater doch sehr deutlich gesagt, was er will: Die Konzentration der Kirche auf Bewahrung und Weitergabe ihres Glaubens, die möglichst weitgehende Reinigung der Kirche von normativen Forderungen, die von der Welt in sie hineingetragen werden und gleichzeitig das Hineintragen des Glaubens in die Welt. Ich finde das gar nicht so schwer zu verstehen. Die Kirche soll
ihre Wahrheit vertreten, nicht das was die Welt für die Wahrheit hält (und insofern entweltlicht sein), aber sie soll gleichzeitig mit dieser Wahrheit ein spürbarer Stachel im Fleisch der Welt sein.
Das scheint mir schon der erste große Klops bei der Rezeption der Rede sein. In der Presse liest man heute gelegentlich, der Heilige Vater fordere einen Rückzug der Kirche aus der Welt. Von wegen, das fordert er gerade nicht. Vielmehr fordert er, daß die Kirche sich nicht von der Welt die Agenda und den Glauben diktieren läßt.
So, das sind ziemlich anspruchsvolle Forderungen für einen Kirchenreform, gerade in Deutschland. Da kann man – wenn man redlich ist – als Priester oder Bischof, aber auch als Laie, nicht einfach so tun, als hätte der Papst diese Rede nie gehalten.